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Platte des Monats

Son Lux – Brighter Wounds [City Slang]

Autor(en): Vitus Aumann am Samstag, 3. Februar 2018
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Quelle: City Slang

Son Lux – Brighter Wounds

Wenn das Jahr 2018 ein Album wäre, wie würde es wohl klingen? Chaotisch, düster aber unglaublich spannend? Son Lux schaffen es auf ihrem sechsten Album die Stimmung der Zeit perfekt einzufangen und liefern eine sehr komplexe Platte ab, die trotzdem nie den Fokus verliert.

Manche Schicksalsschläge treffen den Menschen persönlich, andere Ereignisse werfen eine ganze Generation aus der Bahn. Kurz bevor Brighter Wounds entsteht erwischt es den kreativen Kopf hinter Son Lux gleich doppelt: Ryan Lott ist kurz davor Vater zu werden, als plötzlich ein enger Freund von ihm an Krebs stirbt. Dann  wird im November 2016 auch noch schmerzhaft klar wer die nächsten Jahre an der Spitze des amerikanischen Staates stehen wird – plötzlich ist die Welt in der Ryans Sohn geboren wird vollständig auf den Kopf gestellt.

Kein Wunder, dass bedrohliche Wolken über Brighter Wounds schweben. Schon im ersten Song „Forty Screams“ fleht Ryan wie ein Prophet im Fieberwahn „I had wanted a better World for you“ über düster anmutende Streichersätze und Synthesizerflächen – fast so als würde Ryan die Trümmer der dystopischen Zukunft schon vor sich sehen.

Kontrollierte Anarchie

Son Lux stehen auf Komplexität. Auf den ersten Höreindruck ist ein klassischer Song der Band das pure Chaos: Man fühlt sich als würden aus allen erdenklichen Richtungen ohne Vorwarnung Klänge auf die Trommelfelle klatschen. Auch Brighter Wounds beginnt standesgemäß: Man könnte wahrscheinlich Stunden damit verbringen jedes Instrument auf der Vorabsingle „Dream State" herauszuhören. Ein fast schon pathetisch aufbrausender Chor und aufheulende Gitarren verpassen dem Song zudem eine erstaunliche Dynamik und machen ihn zum ersten emotionalen Ausrufezeichen der Platte.

Ryan Lotts Vorliebe für komplizierte Rhythmen, ausgefallene Sounds und unkonventionelle Songstrukturen zeigt sich also auch auf Brighter Wounds. Trotzdem betritt das Album auch für die Band bislang eher ungewohntes Terrain: Schon der dritte Song auf dem Album „Labor“ stellt sich als Ballade heraus, die über die meiste Zeit nur von Ryans  unverkennbarer Stimme und einem Klavier getragen wird. Ausgefallene und unerwartete Details, wie plötzlich abbrechende Streicherklänge und hastige Gitarrensoli finden sich zwar auch hier, aber sie fügen sich  perfekt in die Songstruktur ein, so dass sie für mehr Tiefgang sorgen ohne den Song unnötig zu verkomplizieren.

Spätere Tracks auf dem Album wie „The Fool You Need“ und „Surrounded“ treiben das Tempo wieder nach vorne, aber auch hier sieht die Band davon ab ihre Songs komplett ins Chaos zu treiben: Jeder unerwartete Synthieklang ist präzise platziert, jedes plötzliche Gitarrenriff erklingt zum genau richtigen Moment. Son Lux sind nach wie vor chaotisch, doch auf Brighter Wounds wissen sie ganz genau, wie sie diese Eigenschaft einsetzen müssen, um die gewünschte beklemmende Stimmung heraufzubeschwören.

Black Mirror für die Ohren

Auch wenn sich Son Lux mit dem derzeitigen Weltgeschehen auseinandersetzen, verzichten sie auf plumpe Durchhalteparolen: Vielmehr drehen die Songs sich um das persönliche Seelenleben in einer Welt, die sich immer mehr düsteren Science Fiction Thrillern anzunähern scheint. Nur folgerichtig dass das Musikvideo zum Standouttrack „Slowly" ziemlich an eine Black Mirror Folge erinnert. Es ist diese Mischung aus Son Lux typischem und doch wieder neuerfundenem Sound und der Auseinandersetzung mit brandaktuellen Themen, die Brighter Wounds zu einer herausragenden Platte machen: Quasi die perfekte Begleitmusik für den Anfang eines Jahres, bei dem niemand Vorraussagen kann, was es für Geschichten erzählen wird.
 

Brighter Wounds erscheint am 09. Februar bei City Slang.

Platte des Monats

Auf den Ehrenplätzen der Rubrik „Wörter, die es nur im Deutschen gibt“ sitzt seit jeher die feucht-fröhliche „Schnapsidee“. Sie beschreibt treffend wie kein anderes Wort das, was entsteht, wenn drei befreundete Musiker*innen auf einer Geburtstagsparty einen über den Durst trinken und dann beschließen eine Band zu gründen. Aus einer solchen Schnapsidee wurde auch das Bandprojekt Phantastic Ferniture um Sängerin Julia Jacklin, das auf seinem gleichnamigen Debüt den Emotionsreichtum der Adoleszenz in leichtfüßig schwankender und wunderbar wärmender Gitarrenmusik feiert.

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