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Wortakrobatik der etwas anderen Art: Fatoni & Edgar Wasser - Nocebo [Soundclectic]

Platte des Monats Oktober 2013

Autor(en): Julian Limmer am Montag, 21. Oktober 2013
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Schluss mit dem Klischee, deutscher Rap befände sich in einer Stagnation. Die Münchner Rapper Fatoni und Edgar Wasser haben ihr erstes gemeinsames Album "Nocebo" am Start.

Schluss mit dem Klischee, deutscher Rap befände sich in einer Stagnation. Die Münchner Rapper Fatoni und Edgar Wasser haben ihr erstes gemeinsames Album "Nocebo" am Start. Die beiden Künstler bieten Wortakrobatik der etwas anderen Art und beweisen, dass man sich als deutschen Rapper nicht immer so ernst zu nehmen braucht. 

Die Kennenlern-Geschichte von Fatoni und Edgar Wasser ist relativ unspektakulär - die Zusammenarbeit zwei Jahre später nach deren erstem gemeinsamem Auftritt dafür um so produktiver und interessanter. Edgar Wassers erste EP wurde Fatoni im Rahmen eines Konzertes mit Blumentopf gezeigt. Holunder vom Topf setzte Fatoni im Backstageraum die Kopfhörer auf und vor lauter Begeisterung buchte Fatoni Edgar Wasser als Support-Act für ein Creme-Fresh Show in den Münchner Kammerspielen. Das war 2011 und Edgar Wassers schätzungsweise dritter Auftritt. "Ich kannte ihn damals noch nicht persönlich, ich hatte davor auch keinen dieser anderen beiden Auftritte gesehen, deswegen war das so ein bisschen wie die Katze im Sack, die ich damals da gebookt hatte. Das Konzert war aber richtig gut, was mich sehr beeindruckt hatte," so Fatoni im Interview mit M94.5. Mittlerweile gehört Edgar Wasser zu den etabliertesten Underground-Rappern in der Hip-Hop-Szene und auch Fatoni ist, seitdem Creme Fresh auf Eis liegt, nicht untätig geblieben und hat sein Solo-Album "Solange früher alles besser war" herausgebracht.

Nicht nur für Rapliebhaber!

Anno 2013 haben die beiden Münchner nun ihr erstes gemeinsames Album am Start. Eigentlich war nur eine gemeinsame EP geplant, doch die Zusammenarbeit lief so gut, dass am Ende ein ganzes Album dabei heraus kam. Doch nicht nur Freunde des deutschsprachigen Sprechgensangs können sich an Nocebo erfreuen. Denn die Wortspiele, die Ironie und die Geschichten, die die beiden zu erzählen haben, sind teils so absurd und gleichzeitig so brilliant in ihrer Umsetzung, dass auch Hörer fern des Hip-Hop-Genres ihren Spaß daran haben werden. 

 

 

 

Konzept: Böses Wortspiel und tiefschwarzer Humor

Ebenso wie der Titel lässt auch das gesamte Album viel Raum für eigene Interpretationen. Der Name leitet sich von dem Nocebo-Effekt ab, der das Gegenstück zum Placebo-Effekt darstellt. Dabei wird durch das Einnehmen einer wirkungslosen Substanz ein negativer Nebeneffekt erlebt. Die einzigen Nebenwirkungen, die bei Fatonis & Edgar Wassers Nocebo auftreten können, sind ein dickes Schmunzeln im Gesicht und manchmal auch die Frage: Meinen die das wirklich alles ernst? Denn tiefschwarzer Humor ist ein Stilmittel, das auf Nocebo nicht gerade spärlich oder mit viel Rücksicht auf andere eingesetzt wird. In "Diktator von Deutschland Teil 1 und 2" zitieren Edgar Wasser und Fatoni Text-Genie Rio Reiser und fragen sich abwechselnd, was sie machen würden, wenn sie Diktator von Deutschland wären. Wie sind sie auf die Idee zu diesem Song gekommen? Fatoni dazu gegenüber M94.5: "Die ursprüngliche Idee war von mir, ganz billig das wie Rio Reiser zu machen. Nur als Diktator und viel krasser und brutaler. Ich dachte mir: Ganz viel verbieten, Diktatormäßig sein, Mario Barth einsperren und so. Edgar Wasser habe ich von der Idee erzählt und am nächsten Tag hatte er diesen Song schon fertig."

In Welcher Generation leben wir?

Thematisch geht Nocebo viel mehr in die Tiefe als es einem auf den ersten Blick auffällt. In welcher Zeit leben wir eigentlich? Was macht unsere Generation aus? Dabei beleuchten sie die heutige Zeit, die sich durch eine Generation von perspektivlosen, antriebslosen (Pseudo-)Medien-Machern auszeichnet. Sie thematisieren die Generation der in Berlin Lebenden, die Generation "ich mach irgendwas mit Medien" oder die Generation der "Generationen betitelnden". Es kommt einem vor, als wollten die  beiden die Dinge zwar ansprechen, ohne sich aber wirklich selber von den ganzen Entwicklungen auszugrenzen. Und so schaffen es Fatoni und Edgar Wasser auf Nocebo vom klassischen Punchline-Rap über intelligent verpackter Gesellschaftskritik bis hin zu Rap über Rap in knackige knapp 50 Minuten auf Albumlänge zu packen - charmant, jugendlich leichtsinnig und humorvoll, aber auch kritisch und durchaus ernst zu nehmen.

Nocebo von Fatoni & Edgar Wasser erschien am 27. September 2013 bei Soundclectic.

 

Platte des Monats

Steckt in jedem von uns ein Mörder? Die Atmosphäre ist düster, die Botschaft eindringlich. White Wine beschwören die Apokalypse herauf, und klingen auf ihrem neuen Album so intensiv wie noch nie. Mit „Killer Brilliance“ ist ihnen ein Einblick in menschliche Abgründe und dystopische Zukunftsvisionen gelungen.

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