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Platte des Monats

Oneohtrix Point Never - Age Of [Warp Records]

Quelle: Warp

Oneohtrix Point Never – Age Of

„Einmal alles bitte!“ So ungefähr könnte man sich das Album von Oneohtrix Point Never im Plattenladen des Vertrauens bestellen. Stilbrüche sind das eine, aber einen einzigen Song aus verschiedensten Genres zusammenzustückeln, das andere. Und genau das macht sich Oneohtrix Point Never zu nutze, um Musikliebhaber für sich zu gewinnen oder zu verwirren. Unsere Redaktion ist zwar verwirrt, aber das im ganz positiven Sinn. 

Oneohtrix Point Never hört sich vielleicht erstmal eher nach einer Punk- oder Metal-Band an. Dahinter steckt aber nur ein einziger Mann: Daniel Lopatin aus Massachusetts. Der experimentelle Elektronikstar, Komponist und Produzent bewegt sich aber weit außerhalb des rockigen Kosmos. Seine Songs sind nicht nach klassischem Schema aufgebaut, sondern meist durcheinandergewürfelt, instrumental und sehr bunt. Da klatschen dann mal elektronische Beats auf digital sanfte Cembalotöne. Alles klingt ein wenig nach einer Reise in eine Computerwelt. 

 

Anfang oder Ende?

Wo hört ein Lied auf „Age Of“ eigentlich auf und wo beginnt es? Wohl eine der zentralen Fragen, wenn einem Lopatins Musik nichts sagt. Da kann es schon vorkommen, dass ein Song vermeintlich zu Ende ist, aber dann eigentlich doch nicht, weil nur ein neues Kapitel innerhalb des Songs beginnt. Genau dieses Schema zieht sich durch die ganze Platte. Deshalb ist es auch schier unmöglich, das Werk nur nebenbei laufen zu lassen. Nichts da mit tanzen, mitwippen oder gar mitsingen. Um „Age Of“ richtig wirken lassen zu können, wird viel Zeit und Ruhe gebraucht. Und nur dann werden aus der anfänglichen Verwirrung die verschiedensten Kapitel und Stufen dieses Albums immer klarer. 
 

Filmmusik-Talent

Daniel Lopatin weiß aber nicht nur, wie er Musikfans begeistern kann. Der Sohn von russisch-jüdischen Emigranten ist nämlich auch in der Filmindustrie unterwegs. 2013 komponierte er beispielsweise den Soundtrack zu „The Bling Ring“. Vergangenes Jahr lieferte er dann die Musik zum  Film „Good Time“ von Ben und Josh Safdie. Seine Vielseitigkeit bescherte ihm dafür am Ende auch den Soundtrack-Award bei den Filmfestspielen in Cannes. Sein Gespür für die Untermalung von visuellem Material wird aber auch bei seinen Musikvideos deutlich. Die Bilder könnten allesamt entweder aus einem düsteren Thriller oder einer Doku über die Digitalisierung der Welt sein. Da passiert es dann schon mal, dass ein Iggy Pop oder ein Robert Pattinson eine Rolle in seinen Videos übernehmen.
 
 

Das Zeitalter des was?

13 Songs. 42 Minuten. So lange dauert die Reise in die schon genannte Computerwelt von OPN. Mit dem Albumtitel lässt er vermutlich die Frage offen, in welches Zeitalter wir seine Musik einordnen können. Oder vielleicht sollen wir selbst nachdenken, wo wir uns eigentlich gerade befinden? Denn während seine Beats auf Autotune-Chöre prallen, entwickeln wir Roboter, die unsere Aufgaben übernehmen. Sein achtes Studioalbum bewegt sich zwar irgendwie in unserer Zeit, musikalisch schwebt es aber dennoch in für uns fremde Sphären herum, die wir erst noch erkunden müssen. Und wer weiß, vielleicht finden wir die Antwort zwischen unverständlichem Gemurmel und elektronischen Beats?

„Age Of“ ist kein gewöhnliches Musikalbum. Brüche mit Song-Schemata, verschwurbelte Electro Beats und unverständliche Texte (sofern welche vorhanden sind) sind nur ein Bruchteil, mit dem unsere Platte des Monats „Age Of“ definiert werden kann. Und trotz Stilbrüchen und untanzbarem Sound gelingt es Lopatin, Musikliebhaber und auch die härtesten Kritiker auf seine Seite zu locken. Und wer weiß, in welchem Zeitalter seine Musik weiterhin gehört werden wird.

 

"Age Of´" von Oneothrix Point Never ist am 1. Juni 2018 bei Warp erschienen.

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