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Platte des Monats

EMA - Exile In The Outer Ring [City Slang]

Autor(en): Laura Fiegenschuh am Mittwoch, 30. August 2017
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Quelle: City Slang

EMA - Exile In The Outer Ring

Politische Themen sind seit der Wahl Donald Trumps im Repertoire von fast jedem Künstler. Auch die Musikerin EMA aus dem Mittleren Westen der USA mischt mit ihrem dritten Album Exile In The Outer Ring mit. Sie beweist aber auf ihrer neuen Platte, dass es noch mehr Sichtweisen auf die Fehler in der amerikanischen Politik gibt, als den immergleichen Trump-Hass-Einheitsbrei.

Emily Michele Anderson alias EMA hat schon einige musikalische Erfahrungen vorzuweisen, unter anderem schon zwei Solo-Studioalben. Jetzt kommt das dritte dazu und es ist nicht nur politischer denn je, sondern auch das konzeptuellste, dass die Künstlerin je gemacht hat.
Schon als Jugendliche war sie Gitarristin der Band Amps For Christ und hat schließlich Anfang 2000 ihre eigene Drone-Folk Band Gowns ins Leben gerufen. Beide Bands sind nicht wirklich was für zartbesaitete Hörer und machen deutlich, dass Anderson eher einen aggressiven Musikstil verfolgt. Seit 2010 ist sie auf Solopfaden unterwegs und bleibt verkopft und schwerfällig, legt aber jetzt noch eine ordentliche Schippe Synthesizer und Noise obendrauf. So ist Exile In The Outer Ring wohl das elektronischste Album der Sängerin aus South Dakota. Im Vergleich zu den gefeierten Vorgängern powervoller - und das in musikalischer wie auch textlicher Hinsicht.

Politische Ansichten nachvollziehen können

Für ihr aktuelles Album hat sich Anderson in einen Keller im "Outer Ring" von Portland zurückgezogen. Der Outer Ring, der Randbezirk der glitzernden Großstadt. Der Lebensraum für Amerikaner, die sich das Leben mittendrin nicht leisten können. Gentrifizierung ist hier das Zauberwort und auch darauf will die Künstlerin aufmerksam machen:

“For me if this record could do anything, it would be to shine a light on a place that has been ignored, to really fucked up consequences. To say, hey, yes, Middle America I see you, I believe your economic woes and drug problems are real, but also, don't let your patriotism and your anger be exploited by con men, don't let your values be eroded by spite.” — EMA

Mittendrin statt nur dabei

EMA ist in genau so einem Umfeld aufgewachsen und kann sich wahrscheinlich gerade deswegen so schnörkellos in die Probleme und Ansichten der Bewohner im Outer Ring hineinversetzen. Besonders Drogen und deren zerstörerische Gewalt sind große Themen im Mittleren Westen - so auch auf ihrer Platte. Mit “Breathalyzer”, dem zweiten Song auf dem Album, gibt's die große Hürde gleich zu Beginn. Eine 6:21 Minuten lange, sich schleichend aufbauende Klangwand macht es dem Hörer fast unmöglich, dem Album weiter zu folgen. Immerhin wird man in einen Strudel aus Störgeräuschen und der verzweifelten Stimme der Sängerin hineingezogen, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Bis der Track schließlich eine Minute vor dem Ende, und damit auch nahezu am Ende der Geduld des Hörers, den Höhepunkt endlich überschritten hat. Die Störgeräusche lassen nach, die Stimme wird gelassener, man selbst entspannt sich wieder. Bis der nächste Song einsetzt. Und der verdeutlicht schon mit seinem Titel “I Wanna Destroy” die Verzweiflung und die Hilfeschreie der Menschen, die auf der gesamten Platte abgebildet sind.

Starke Texte und stärkere Instrumentierung

“Aryan Nation”, die erste Vorabsingle des Albums, macht ohne Zweifel den starken politischen Charakter der Platte deutlich. Aber nicht nur der Rassismus ist es, der hier als Problem von Amerika gezeichnet wird. Songs wie “33 Nihilistic and Female”, dessen Inhalt sich durch den Titel selbst erklärt, treiben diesen in jede denkbare Sphäre des aktuellen politischen Geschehens. Und das, obwohl die Platte noch vor den Vorwahlen in den USA im letzten Jahr abgeschlossen wurde. Was manche Musiker also erst nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten ins Rollen brachten, stößt EMA damit schon vorher an. Allerdings hat sie schon auf den beiden Vorgängern Past Life Martyred Saints und The Vuture's Void ihr politisches Händchen beweisen können. Immerhin ging es hier auch schon um Drogen, Daten und den Mittleren Westen. Allerdings wird auf Exile In The Outer Ring der Mensch in der Vordergrund gerückt, sodass die Probleme, die existieren, umso sichtbarer werden. Am Ende des Albums rückt Anderson sich auf dem Song Where The Darkness Began selbst in den Vordergrund:

"I ran away/To the darkest place that I could find:/A basement in the Outer Ring/It was an interior that was familiar to me/ The smoke, the blinds/Sometimes sunlight coming in/And sometimes street lamps/Brighter now than they used to be/Casting lines on beige carpeting."

Exile In The Outer Ring zeichnet also detailiert die Probleme im Mittleren Westen der USA, die stellenweise ausweglos erscheinen. Die Platte ist zeitgleich ein Hilfeschrei und auch ein Denkanstoß für das aktuelle Leben dort. Auf die Spitze getrieben wird dieses Thema durch die Instrumentierung zwischen Horror und Erlösung, die EMA auf ihrem dritten Album mittlerweile perfekt beherrscht. Vielleicht ist dieses Album nicht der Soundtrack für den Sommer, aber vielleicht der passende für das Wahljahr 2017 in Deutschland.

Exile In The Outer Ring ist am 25.08.2017 auf City Slang erschienen.

Platte des Monats

Keine Aussicht auf ein Happy End. Auf ihrem zweiten Album setzt sich die 22-jährige Songwriterin aus Memphis offen und direkt mit ihren Depressionen auseinander. Das Ergebnis ist eine nahezu trostlose, aber unheimlich stimmungsvolle Platte, der man sich als Hörer kaum entziehen kann.

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