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Platte des Monats

Algiers – The Underside of Power [Matador Records]

Quelle: Matador Records

Algiers- The Underside Of Power

Algiers sind zurück und sie sind verdammt wütend! Bereits ihr gleichnamiges Debütalbum von 2015 ist M94.5 Platte des Monats geworden. Nun sind die Amerikaner nicht nur mit Depeche Mode auf Welttournee, sondern haben praktisch im Vorbeigehen ihren Zweitling "The Underside of Power" veröffentlicht und sind lauter denn je! Also Kopfhörer auf und Kopf an!

„Make Music Rage Again!" So und nicht anders könnte das Bandcredo der vier Musiker der Band Algiers aus Atlanta, Georgia lauten. Bereits ihr Bandname ist ein Querverweis auf den Befreiungskrieg Algeriens mit der damals übermächtigen Kolonialmacht Frankreich Mitte des 20. Jahrhunderts. Damit wird auch gleich thematisch die Richtung von Algiers vorgegeben, nämlich Sozialkritik par excellence. Diese, zugegebenermaßen, nicht gerade leichte Kost, unterlegen sie auch auf ihrem nun zweiten Album „The Underside of Power“ mit atemberaubenden Klangkollagen aus Soul, Industrial, Post Punk, Noise und unzähligen weiteren musikalischen Versatzstücken.

Bedrohliche Beats und sägende Gitarren

Mit„The Underside of Power“ ziehen die vier Amerikaner nun musikalisch und textlich wirklich alle Register und übertreffen damit nocheinmal ihr überragendes Erstlingswerk. Algiers klingen auf ihrem zweiten Album gefährlicher, hoffnungsloser und trotzdem wunderschön. Mit ihren bedrohlichen Beats und sphärischen Interludes kreieren sie eine dystopische Grundstimmung, die immer wieder kurz davor ist, die Grenze zum Krach zu überschreiten. Im letzten Moment aber kippt die Stimmung und die Stimme von Sänger und Gitarrist Franklin James Fisher setzt ein, die den Song mit ihrem Soul und gefühlsvollen Ausdruck direkt aus der Dissonanz der Strophen in die eingängigen Refrains überführt.

Die andere Seite der Macht

Algiers wissen aber nicht nur durch ihre unkonventionelle Musik zu begeistern, sondern brillieren auch mit einem ausgeklügelten inhaltlichen Konzept, dass den Finger in die offene gesellschaftliche Wunde von Rassismus, Ungerechtigkeit und Chancenungleichheit legt. Dabei machen Songs wie "Walk like a Panther", "Death March", "Hymn for an Average Man" und "Cry oft the Martyr" unmissverständlich deutlich, dass Musik eine weitaus größere Verantwortung hat, als nur leichte Mädchen, Geld und Drogen zu besingen.

"Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe"

Indem Algiers gleich zu Beginn ihren Opener „Walk Like A Panther“ den 1969 verstorbenen Black Panther Aktivist Fred Hampton zitieren, machen sie unmissverständlich deutlich, mit welcher Ideologie sie sich und ihre Musik identifizieren:

„You're gonna have to keep on saying that - I am the proletariat, I am the people. I am not the pig. You've got to make a distinction.“

Eingebettet in verzerrte Drums und entrückte Gitarren, umschlingt Franklins Stimme mit seinem flehenden Ton geradezu die Beats der Band und holt damit auch noch das allerletzte Maß an Energie aus dem Song. Diese erhöhte Schlagzahl behalten Algiers ihr gesamtes Album über bei.

"You bought your way out of hell..."

Durch ihren gospelgetränkten Gesang ziehen sie ihre Musik selbst aber auch auf eine sozialkritische Ebene. Der Gospel findet nämlich seinen Ursprung im Afro-American Spiritual der Sklaven im Amerika des 17. Jahrhunderts, die auf diese Weise ihr zweifelhaftes Schicksal musikalisch verarbeiteten und so ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben Gestalt gegeben haben. Somit schaffen es Algiers gekonnt, auf ihrem Album Musik und Texte zu einem politischen Konzept zu vereinen, das beim Hören durchaus zum Nachdenken fordert.

 

Unerbittlich geht es weiter

Algiers machen mit „The Underside of Power“ einen beim Hören fertig und knüpfen damit im Geiste nahtlos an ihr gleichnamiges Debütalbum an.

Hat man gerade einmal die schiere musikalische Wucht verdaut, die einen ungefiltert beim ersten Hören mitten ins Gesicht schlägt, kommt das Album auf einmal mit sanften, ruhigen Passagen um die Ecke. Damit versuchen Algiers den Hörer für kurze Zeit in Sicherheit zu wiegen, ehe sie mit dem nächsten Track wieder erbarmungslos zuschlagen und das Album so in eine 45 minütige Tour de Force verwandeln, der man sich nur schwer widersetzen kann. Algiers fordern mit ihrem Album, dass die Zeiten des stillen Schweigens vorbei sind und erinnern den Zuhörer mit nachdrücklicher, lauter Stimme daran, dass auch er in der gesellschaftlichen Pflicht steht und seinen Teil beizutragen hat. Easy Listening kann jeder, aber Algiers sagen was wirklich abgeht!

The Underside of Power erschien am 23.Juni.2017 bei Martador Records.

Platte des Monats

Politische Themen sind seit der Wahl Donald Trumps im Repertoire von fast jedem Künstler. Auch die Musikerin EMA aus dem Mittleren Westen der USA mischt mit ihrem dritten Album Exile In The Outer Ring mit. Sie beweist aber auf ihrer neuen Platte, dass es noch mehr Sichtweisen auf die Fehler in der amerikanischen Politik gibt, als den immergleichen Trump-Hass-Einheitsbrei.

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M94.5 präsentiert
Sonntag, 17. September 2017
 
EMA
Mittwoch, 27. September 2017
Kranhalle
 
The Jesus and Mary Chain
Sonntag, 15. Oktober 2017
Theaterfabrik

 

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