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Indiegame des Monats Oktober

Auf geht's zur Selbstkasteiung

Quelle: Studio MDHR

Cuphead Titelbild

Der Run & Gun Plattformer Cuphead von Studio MDHR ist zwar bockschwer, aber das Gefühl des Siegens ist grenzenlos. Unser Indiegame des Monats Oktober.

Aller Anfang ist schwer

Die Entstehungsgeschichte von Cuphead war nicht unbedingt geradlinig. Das erste Mal wurde das Run & Gun Spiel auf der E3 2014 in Form eines kleinen Trailers präsentiert. Bereits dort sorgte es mit seinem außergewöhnlichen und erfrischenden Grafikstil in den Reihen der Indie-Fans für großes Aufsehen und wurde schnell hinter vorgehaltener Hand als der nächste große Hit gehandelt. Was viele Fans aber nicht wussten: Das Entwicklerteam von Studio MDHR bestand zum damaligen Zeitpunkt nur aus drei Mitarbeitern, die das Projekt bis dahin ganz alleine auf die Beine gestellt hatten. Nach dem überwältigend positiven Feedback, aber auch vereinzelten Kritiken der Fangemeinde, sah sich Studio MDHR in ihrer Ausrichtung des Spiels bestätigt und erweiterten die ursprünglich einzelnen geplanten Bosskämpfe um eine begehbare Karte sowie Run & Gun und Flug Level. Diese warten mit einem weiteren Endgegner am Levelfinale auf und erweitern das Spiel so inhaltlich. Somit hat das Team von Studio MDHR die Flucht nach vorne gewagt, 2015 noch einmal komplett auf einen Neustart gesetzt und das Team auf 20 Mitarbeiter erweitert, um den Ansprüchen und Visionen gerecht zu werden. Schließlich erblickte zwei Jahre später Cuphead am 29. September das Licht der Welt und ist für XboxOne und Steam auf dem PC erhältlich .

„Don’t deal with the devil“

Die Geschichte von Cuphead ist zwar in wenigen Worten erzählt, könnte mit seiner morbiden Grundstimmung aber direkt aus einem Cartoon der 1930er Jahre stammen. Die jungen Brüder Cuphead und Mughead (und ja, ihre Köpfe bestehen jewils aus einer Tasse) verspüren eines Tages den Drang in die große weite Welt hinauszugehen und diese auf eigene Faust zu erkunden. Trotz der Warnung ihres Vormundes Elder Kettle landen die zwei neugierigen Brüder in einem Casino und verspielen, ehe sie sich versehen, ihre Seele an den Besitzer des Casinos: den Teufel höchst persönlich. Um ihr Seelenheil aber noch zu retten, gewährt dieser den zwei Pechvögeln aber eine letzte Chance und heuert die beiden als Kopfgeldjäger an. Ihre Aufgabe ist es nun, die Seelen von Schuldnern einzutreiben und dem personifizierten Bösen als Trophäe zurückzubringen. So machen sich die zwei Brüder auf, die Seelen einzutreiben um ihr eigenes Schicksal zu retten.

Lernen durch Schmerz

Machen wir es kurz, Cuphead ist ein lupenreiner Plattformer ohne Wenn und Aber. Dies fängt bereits mit dem kurzen Tutorial an, das die Grundfunktionen Laufen, Springen, Dashen, Parieren und Superangriff kurz erläutert, ehe es euch ohne große Umwege direkt ins kalte Wasser schmeißt. Nun liegt es an euch, wie ihr weiter verfahren wollt. Auf einer großen, begehbaren Karte könnt ihr nach und nach neue Level freischalten, indem ihr entweder Bossgegner bekämpft oder die Run & Gun Level meistert, in der bis zu sechs Münzen gesammelt werden können. Mit diesen Münzen könnt ihr dann in einem Shop pro Welt Perks wie Rauchgranaten für den Dash, zusätzliche Leben oder Waffenupgrades wie selbstzielende Strahlen, oder einen breiteren Streuungsgrad kaufen. Die werdet ihr auch sehr früh dringend nötig haben, da es bereits die ersten Bossgegner mächtig in sich haben. Diese haben alle gemein, dass der Kampf gegen sie aus mehreren Stufen besteht und sich von den Anforderungen her stetig ändert. So kämpft man beim Gegner Root Pack zunächst gegen eine wütende Kartoffel die Erdklumpen verschießt, danach gegen eine weinende Zwiebel die Tränen vom Himmel regnen lässt und abschließend gegen eine psychedelische Möhre, die nicht nur Karotten, die euch verfolgen, sondern auch gefährlichen Gedankenwellen verschießt. Hier sind Dauerfeuer und Dashing Pflicht.


Jeder Gegner eine Tour de Force | © Studio MDHR

Man hat auch die Möglichkeit sich einen Kumpel zu schnappen und im lokalen Co-op den Gegnern zu zweit einzuheizen. Hier waren die Entwickler sogar so gnädig die Chance zu bieten, den Weggefährten nach seinem Ableben wieder zu reaktiveren. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die davonschwebende Seele noch rechtzeitig vom Mitspieler getriggered wird, um so ein Weiterspielen zu ermöglichen. Wer sich jetzt gleich den nächstbesten Zockergefährten schnappt sollte aber auch bedenken, dass im Co-op-Modus das Bildschirmtreiben noch hektischer und unübersichtlicher wird, da die beiden Charaktere gleich ausschauen und dadurch nicht mehr ersichtlich wird, wen der Gegner denn nun genau angreift. Dadurch wird das Ausweichen zusätzlich erschwert und noch mehr Konzentration gefordert, als eh schon abverlangt wird. So oder so werdet ihr im Laufe von Cuphead sehr, sehr, sehr oft sterben. Aber darin besteht auch der besondere Reiz des Spiels. Hier regiert das Motto „Lernen durch Schmerz“. Mit jedem der zahlreichen Bildschirmtode kommt ihr der Taktik eures Gegners immer mehr auf die Spur, prägt euch Abläufe ein und lernt aus euren Fehlern. Wenn man stirbt, ist man meistens selber daran schuld, da die Steuerung wirklich auf den Millimeter genau reagiert und so größtmöglichen Handlungsspielraum gibt. Dieser Fakt beruhigt beim vierzigsten Ableben zwar nur bedingt, hält aber immerhin die Motivation aufrecht es immer wieder neu zu probieren.


Der Flug in den Wahnsinn | © Studio MDHR

Steamboat Willie trifft auf Poppey, den Seemann

Seien wir mal ehrlich, erst das Artwork von Cuphead macht das Spiel so besonders. Dabei hat sich Studio MDHR besonders von Disney und den David Fleischer Cartoons der 30er Jahre inspirieren lassen. Jede Szene im Spiel wirkt auf seine Art und Weise wie ein Gemälde aus Popey oder Superman und man hat das Gefühl, dass jede Sekunde gleich Zeichentricksternchen Bettie Boob ins Bild springt. Hier fällt besonders die Liebe zum Detail auf, die dem Spieler durch Hintergrundanimationen immer wieder spielrelevante Informationen zukommen lässt. Während ihr zum Beispiel gegen einen irren Jahrmarktsclown kämpft, sieht man schon im Hintergrund die Achterbahn anbrausen, ehe sie ein paar Sekunden später gefährlich durch den Bildschirm rauscht und Schaden zufügt, wenn man nicht rechtzeitig ausweicht. Somit ist die Grafik und ihre Ausgestaltung nicht nur Mittel zum Zweck, sondern fügt sich gekonnt in den Spielablauf. Aber auch beim Soundtrack setzt Cuphead komplett auf die 30er Jahre. So wird das Abenteuer stilecht mit Honky Tonk Piano und schweißtreibender Jazzmusik untermalt, die den aufmerksamen Zuhörer (insofern man die Kapazitäten dazu hat) immer wieder mit verschiedenen Anspielungen belohnt. So bekommt man zum Beispiel in den Flugsequenzen augenzwinkernd das Leitmotiv von Wagners Walkürenritt serviert, was den Luftschlachten eine noch größere Dramatik verleiht.


Der Retter in der Not | © Studio MDHR

„Er will doch nur spielen“

Cuphead ist unerbittlich, nervenraubend und bestraft jeden noch so kleinen Fehler gnadenlos. Und genau das macht das Run & Gun Spiel so besonders. In Zeiten in denen die Videospielszene von Pay2Pay Funktionen, Lootboxen und Mikrotransaktionen bestimmt werden, ist es eine wahre Wohltat, einfach mal wieder ein Spiel zu spielen, das dem Gamer nur eines abverlangt: Skill. Erst wenn man Runde um Runde, Verlust um Verlust hinnimmt, sich nicht unterkriegen lässt und aus seinen Fehlern lernt, belohnt einen Cuphead mit dem wohlig warmen Gefühl des Erfolges für den man noch richtig „arbeiten“ muss. Auch wenn die meisten auf Cuphead durch seinen - zugegebenermaßen - wirklich hervorragenden Grafikstil aufmerksam geworden sind, am Ende des Tages zählt doch der Spielspaß. Und damit punktet Cuphead auf voller Linie!

Die getestetete Version wurde auf dem Computer gespielt. Cuphead ist auf der Xbox One und Steam für 20 € erhältlich.

Platte des Monats

„Einmal alles bitte!“ So ungefähr könnte man sich das Album von Oneohtrix Point Never im Plattenladen des Vertrauens bestellen. Stilbrüche sind das eine, aber einen einzigen Song aus verschiedensten Genres zusammenzustückeln, das andere. Und genau das macht sich Oneohtrix Point Never zu nutze, um Musikliebhaber für sich zu gewinnen oder zu verwirren. Unsere Redaktion ist zwar verwirrt, aber das im ganz positiven Sinn. 

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