// nichtinformation zum nachlesen auf m945.de

wir präsentieren euch die ninfo reihe von schorsch kamerun in der münchner kammerspielen. alle nichtinformation, die ihr bei uns im programm und / oder in den kammerspielen verpasst habt, gibts hier nochmal zum nachlesen und hören.

das aktuelle programm und mehr informationen findet ihr hier

 

 

17 /dezember

/ alban lefranc - angriffe auf die deutsche bürgerlichkeit

Was teilt die Münchner Filmlegende Rainer Werner Fassbinder mit der Velvet Underground Sängerin Nico und mit dem Schriftsteller und Gudrun Enslin-Geliebten Bernward Vesper? Alle drei sind Protagonisten in Alban Lefrancs Buch „Angriffe". In drei - teils fiktiven, teils dokumentarischen Romanen beschreibt Lefranc die radikalen Lebensentwürfe dieser Künstler, die das kulturelle Klima im Wirtschaftswunder/RAF-Deutschland prägten.
Hier ein Gespräch mit dem Französischen Autor, dessen Roman „Angriffe" jetzt im Blumenbar-Berlag in deutscher Sprache erschien.

von johanna jauernig

 

10 /dezember

/ zwischenstand

Halbzeit bei NINFO - Schorsch Kamerun zieht Bilanz.

 

10 /dezember

/ johanna billing - you don´t love me yet

“Johanna Billing selbst kann heute leider nicht hier sein, da sie im neunten Jahr schwanger ist.”
Mit diesem netten Versprecher startet der Ninfoabend.
Anschließend liest der Musiker Volker Zander zum Einstieg einige SMS vor, die Johanna Billing ihm zukommen ließ. Darin bedankt sie sich aufrichtig für das Engagement der Veranstalter und Künstler und lässt wissen, dass sie sich freut, dass es auch in München einen Abend unter dem Motto „You don’t love me yet“ gibt.
Doch, wie kommt man überhaupt auf die Idee einen Konzertabend zu veranstalten bei dem alle Künstler und Bands den gleichen Song zum Besten geben?
Die schwedische Künstlerin Johanna Billing stieß eines Tages auf eine Studie die besagte, dass es in Schweden mehr Singles als in jedem anderen Land gibt. Für sie stand sofort fest, dass etwas getan werden musste.
Was sie auf ihrer Suche nach der Lösung fand, war der Song „You don’t love me yet“ von dem Texanischen Singer-Songwriter Roky Erickson.
„You don’t love me yet“ wurde zu einem Langzeitprojekt‚ bei dem Johanna Billing den Song mit Musikern und Künstlern an unterschiedlichsten Orten immer wieder performativ in Szene setzte. Dabei wurde das Lied in immer neuen Versionen interpretiert.
Gestern Abend stellten sich dann in den Kammerspielen neun Künstler und Bands der Herausforderung den Countrysong neu zu interpretieren.
Man könnte denken, ein Abend an dem man neunmal das gleiche Lied hört ist unglaublich langweilig und trocken, doch das Gegenteil war der Fall.
Dieses Lied wurde so unterschiedlich umgesetzt, dass man manchmal nicht mehr wusste ob es sich tatsächlich noch um „You don’t love me yet“ handelte.
Von sehr rockigen Ausführungen wie zum Beispiel die der Bands „The Nikoteens“ oder „OTON“ über einen Monolog ohne Instrument von „Karl Holmquist“ bis hin zur Countryversion von „Juno Meinecke und Michi Juraschek“ war alles geboten.
Bands wie „Dis*ka“, „Mexican Elvis“ oder „Console“ setzten eher auf eine etwas melancholische, besinnliche Version wohingegen die Band „Sputnik“ eine schnelle Popversion zum Besten gab.
Einer durfte natürlich auch an diesem Abend nicht fehlen. Schorsch Kamerun trat mit dem Chor der Falkenberg-Schule auf und hatte sichtlich Spaß daran das Publikum in seine Ausführungen des Liedes mit einzubeziehen.
Ein Abend an dem mehrere Bands ihre eigenen Stücke vorstellen ist oft nicht so abwechslungsreich wie es der gestrige war.
„Du liebst mich noch nicht“ ist eben eine Botschaft, die jeder vollkommen anders auffasst und dem Publikum unterschiedlich präsentiert.
Es wird wohl noch einige Tage dauern bis man den Ohrwurm „You don’t love me yet“ wieder los wird, doch so lange sollte man ihn noch genießen, und wer weiß, vielleicht kommt der ein oder andere auf eine ganz neue Interpretation des Liedes…

von kristina rottengatter

 

27/november

/ out: berg am laim - in: trudering

Keine Lesung von Dietmar Darth - dafür mit Schorsch Kamerun ab ins neue Szeneviertel Trudering - so war es zumindest geplant...

 

24/november

/ endlich die respektvolle gala

... so hatte es Schorsch Kamerun angekündigt und aufgerufen zur
Geburtstagsfeier für Herbert Achternbusch.

Eine Geburtstagsfeier in der Ninfo-Reihe? Wie passt das zusammen?
Sehr gut sogar, denn schließlich geht es in der Ninfo-Reihe ja darum, ob man mache Sachen nicht anders machen oder auch einfach ganz weglassen könnte- um Rest- und Neualternativen. Und eines kann man Herbert Achternbusch wirklich nicht vorwerfen: Angepasstsein.
Keine leichte Aufgabe also, eine respektvolle Gala für ihn aus dem Hut zu zaubern. Dessen war sich der Ausrichter Schorsch Kamerun wohl auch bewusst, der gleich bei der Begrüßung der Gäste vorausschickte, wenn der Versuch missglücke könne man „ja gehen“. Aber Flüchten war wohl der letzte Gedanke, der einen erfasste bei dieser rundum gelungen Feier. Trotz des öffentlichen Raums in dem die Gala stattfand, kam doch gemütlich-feierliche Stimmung auf. Nicht zuletzt wegen der Festredner und der wohl ausgesuchten Darbietungen. Auch der „Rahmen“ stimmte. Zunächst wurde Achternbuschs Jugend gedacht, in einem Diavortrag oder vielmehr einer Lesung aus dem mit Fotos illustrierten Kapitel „Windstille“ aus dem autobiographischen Achternbusch-Buch „Revolten“. Schauspieler Michael Tregor schlüpfte einfühlsam in die Rolle des Erzählers und gab gleichsam persönliche Eindrücke in das junge Leben. Bis dahin saß das Geburtstags-Publikum geordnet in den Sitzreihen im Neuen Haus, sodann lüftete sich der Vorhang und eine Biertisch-Szenerie tat sich auf. Das Peter Pan-Ensemble saß weißwurstessend um eine Tafel in deren Mitte eine mehrstöckige Geburtstagstorte auf den Glockenschlag um Mitternacht wartete.
Aus der Theatersituation war im Handumdrehen eine Privatparty geworden. Zu den zauberhaften Klängen der Band Coconami erhoben sich die ersten Gäste, schritten zur Bar oder ließen sich auf den Bierbänken nieder. Über allem thronte auf einer auf Holzplanken ruhenden zweiten Decke die Szenerie der Peter-Pan- Aufführung. In dieser Kulisse kam später am Abend auch noch ein Ausschnitt aus dem Achternbusch-Werk „Mixwix“ zur Aufführung. Schorsch Kamerun und das Kammerspiele-Ensemble haben wirklich aus dem Vollen geschöpft. Nachdem also der Rahmen der „normalen“ Theatersituation aufgebrochen worden war, was Schorsch Kamerun immer wieder mit Lust zelebriert, schritt schließlich Schauspieler Sepp Bierbichler zu einer etwas anderen Laudatio. Mit dem Rücken zum Publikum gewandt, im dem auch Achternbusch saß, begann Bierbichler mit Mikrofon an der Biertischfestttafel sitzend seine Rede. Seit sieben Jahren sind die einstigen Freunde Achternbusch und Bierbichler zerstritten, sprechen kein Wort miteinander. Warum, das vermag keiner so recht zu sagen, vielleicht nicht einmal mehr Bierbichler selbst, jedenfalls merkt man seiner Rede den Wunsch an, dass das Ganze doch nun endlich einmal verjährt sein könnte. Doch pünktlich zu seinem Geburtstag hat Achternbusch die Fehde noch einmal bekräftigt. Im Abendzeitungsinterview stand zu lesen Bierbichler solle gar nicht erst versuchen ihm zu gratulieren sondern lieber sein „eigenes Arschloch“ anrufen und ihn in Ruhe lassen. Und so steht denn Bierbichler auch zum Schluss seiner Rede auf, wendet den Kopf leicht nach hinten und singt ein Ständchen mit Blick auf seinen Allerwertesten. Keine Versöhnung also, doch das Fest geht versöhnlich weiter. Die Kammerspiele-Schauspieler Peter Brombacher und Caroline Ebner geben fulminante Monologe aus den Achternbuschwerken „Plattling“ und „Daphne von Andechs“ zum Besten. Hias Schaschko und Ferdl stimmen auf die Ukulele-Töne des Coconami-Duos mit ein, verbinden zauberhaft-asiatische Klänge mit urbayerischen Tönen, Schriftsteller F. X. Karl setzt zu einer wortgewandten Hommage auf den Jubilar an. Leiser hätte ein emotionaler Höhepunkt an dem Abend dann kaum sein können: Nach dem Festprogramm steht Herbert Achternbuschs 15-jährige Tochter auf und sagt ihrem Papa ein Gedicht auf. Plötzlich ist es dann zwölf, es gibt Sekt und Kuchen für alle. Herbert Achternbusch sagt kein Wort. Ganz wie er es sich vorgenommen hatte. Aber er ist dageblieben. Seine Gäste auch. Man trinkt und feiert und tanzt. Noch lange.

von Jana Türk

 

24/november

/ herbert achternbusch

Letzten Samstag fand im Rahmen von ninfo die große Herbert Achternbusch Geburtstagsparty statt. Eine Hommage

von Noemi Schneider

 

20/november

/ berg am laim - part 2

Schorsch Kamerun über Blaim - den zweiten gemeinsamen Ausflug in das vielleicht neueste In-Viertel Münchens

 

20/november

/ nymphe in phantasieuniform

Vor dem Hintergrund eines wild dahingaloppierenden und die Mähne in jugendlichem Übermut werfenden Fohlens auf einem großformatigem Bild an der Wand lasen die drei Akteure des Abends im Neuen Haus der Kammerspiele zu Ehren des nicht Anwesenden Vierten – des Hauptakteurs im Grunde, der den Geist und den Sinn des Abends bestimmte und formte. Mit einer unter dem Stuhl gebunkerten Flasche Bier - auf dass ja niemand darüber stolpert und meine alkoholische zum Geist des Abends hinzukommende Inspirationsquelle vergießt – saß ich denn eingebunden im Hörerauditorium und ließ mir aus dem Leben des Jules Vallès berichten.
Auch die Vortragenden hatten sich mit Flüssigem, die Kehle spülenden sowie den Witz und die Zunge anregenden Spirituosen versorgt. So verschieden wie ihre Lese- und Artikulationsdarbietungen, so unterschiedlich waren dann auch die Trinkvorlieben der Drei auf der Bühne an drei einzelnen Tischen dem Publikum gegenüber sitzenden Vortragenden. Der Grünen-Mitbegründer Thomas Ebermann trank Wasser, Frank Spilker von den Sternen genoss Wasser und Wein und Schorsch Kamerun konsumierte drei Flaschen Bier im Laufe der zweigeteilten Lesung. Denn eine lockere und mit Musik angereicherte Lesung mit Diavortragscharakter war es, was da dem gut gelaunten Publikum in den Kammerspielen geboten wurde. Aufhänger war das Leben und Werk des Pariser Kommune-Mitstreiters, Lumpenintellektuellen und Phantasieuniformträgers (das fand er so ungemein witzig) Jules Vallès, der sich zeitweilig als Anpreiser für die Badezeitung „Die Nymphe" verdingte, die laut seinem Arbeitgeber in keiner Badeanstalt der Stadt Paris hätte fehlen dürfen. Verlesen wurde so auch ein Textauszug über seine Kindheit, in dem er unter anderem schildert, wie er in anhaltender Erziehungsarbeit seiner Mutter dazu gezwungen wird, immer wieder Zwiebeln zu essen, bis sein Magen und seine Nase sich daran gewöhnt haben und er sich nicht mehr sofort beim Genuss dieser Speise übergeben muss. Ab diesem Zeitpunkt ist es dann für das Kind Jules nicht mehr nötig, diese Speise zu essen – es geht der Mutter ja um die richtige Erziehung des Jungen und das Erlernen von Handlungen, die einem Zuwider sind. Kein Wunder, dass in den publizierten Texten und Äußerungen von Jules Vallès Selbstbestimmung und Freiheit des Individuums eine tragende Rolle spielen. Dies war auch der Aufhänger von Frank Spilker, der aus dem Repertoire der Sterne passende Lieder zum Thema des Abends beisteuerte und so den Charakter der Lesung deutlich auflockerte. Auch das entspannte Nach-Hinten-Werfen der gelesenen Abschnitte und die Kommunikation der drei Vortragenden untereinander stellte eine für das Publikum amüsante Zwischennote dar. So nutzte gar Schorsch Kamerun aufgrund des Nichtfindens seines Plektrums oder doch einfach aufgrund seiner Spontaneität Papier zum Schrammeln der Gitarrenseiten und fabrizierte so einen Papierregen, der doch recht uninformativ für die Aufkehrenden sein dürfte. Nach dem langen Sitzen wurde dann in der anschließenden Sissi-Disco mit dem DJ-Duo François Cactus und Brezel Göring von Stereo Total für reichlich Hörstoff zum Tanzen gesorgt.

von Kathrin Wolf

 

20/november

/ peter pan

Peter Pan, Die Hauptfigur einiger Kindergeschichten von James Matthew Barrie, kann das, wovon andere nur träumen können: nämlich fliegen und jung bleiben! Nach einem Überangobt an Verfilmungen hat sich jetzt Schorsch Kamerun an eine etwas andere Theaterversion Peter Pans gewagt.

Mehr Informationen findet ihr hier

von Michael Hake

 

12/november

/ berg am laim - ein echter ninfo-ort

Aussenspielstätten sind bei Aktionsreihen der Kammerspiele schon etabliert, fand man diese bei Bunnyhill natürlich im Hasenbergl. Findet die Nichtinformation ihr Heimat im kommenden Szeneviertel Berg am Laim. Schorsch Kamerum hat eingeladen ihn in die Welt der leeren Litfassäulen und griechischen Eckkneipen zu begleiten...

von Natalie Berner und Florian Falzeder

 

08/november

/ die zunge europas

Heinz Strunk hat im Rahmen des Ninfo-Abends in den Kammerspielen aus lang ersehnten zweiten Roman nach dem Debuterfolg "Fleisch ist mein Gemüse", "Die Zunge Europas" gelesen. Das Buch ist im Rowohlt Verlag erschienen, hier könnt ihr einen Einblick gewinnen, gelesen von Heinz Strunk persönlich.

Das Buch handelt von einer geöhnlichen Woche im Leben des Gag-Schreibes Markus Erdmann Ein Sonntag beinhaltet den Weg zu seinen Großeltern...

Die Hitze kann aber durchaus etwas gelindert werden...

Montag das heißt arbeit, heißt Gag-Schreiben für Markus Erdmann

Ein Extra Feature, das Heinz Strunk gleich zu seinem Buch dazuliefert ist eine Besprechung seines eigenen Buches für die Feuilletons.

 

07/november

/ heinz strunk im interview

Schorsch Kamerun holt mit seiner Ninfo Reihe Hamburg nach München, zumindest das Pudelclub-Umfeld. Aus diesen Reihen darf natürlich auch Heinz Strunk nicht fehlen. Heinz Strunk über Erwartungen, neue Bücher und Nichtinformation...

im Interview mit Natalie Berner

 

03/november

/ *verstörend schön*

Soap & Skin, das ist die neunzehnjährige Anja Plaschg.

Sie wirkte zerbrechlich an ihrem Klavier, umgeben von weißen Lilien in

durchsichtigen Plastikflaschen. Noch bevor die ersten Töne erklangen, hätte man eine Stecknadel fallen hören können.

Als sie anfing, kam die Gänsehaut. Diese junge wunderschöne Frau, nahm uns mit, in manche Abgründe und Leichtigkeiten. Ganz allein saß sie da an ihrem Klavier, begleitet nur von selbst aufgenommenen Streichern und elektronischen Arrangements. Ihre Stimme bannte die Aufmerksamen und führte sie in ihre eigenen Tiefen, durch Lieder voller Melancholie und Schmerz. Über die Totenstille im faszinierten Publikum sang Anja Plaschg in ihrem Song the Sun: „ she dies above us, and builds the shadows, which faces myself, she drives me, into the black hole". Doch im schwarzen Tal angekommen erhob sie uns wieder auf neue Gipfel melodiöser Wärme und Schönheit. Sie klang so nach gelebtem Leben, doch vor uns saß nicht die erfahrene Frau, die wir hörten. Trotzdem glaubte man ihr. Noch in vollster Aufmerksamkeit, im Strudel der Gefühle, war es dann viel zu schnell wieder vorbei. Paralysiert, überrascht und etwas überfordert von der anschließenden Partymukke, verließ das Publikum das Neue Haus. Was könnte so ein intensives Erlebnis noch toppen? Diese Frau hat uns umgehauen mit ihrer Musik...

von marina ginal

 

30/oktober

/ münchen vs. hamburg - rote sonne vs. goldener pudel

bevor es ernst wurde haben sich die djs schon mal warm geredet. der golden pudel club hatte diese ansagen für die münchner upstat und die schlachthofbronx parat.

 

30/oktober

/ schorsch kamerun zu gast bei schwabylon

- der talksendung auf m94.5 am 18.oktober. hier gibts noch einmal das ganze interview für euch zum nachhören (aus rechtliche gründen leider ohne musik)


 

30/oktober

/ roberto orth am 29.oktober bei ninfo - „Ne travaillez jamais – Arbeitet nie!“

Was heute wohl als leere Parole abgestempelt würde, war die wundersame Umsetzung des Lettrismus, einer literarischen und vor allem künstlerischen Bewegung, die sich nach Ende des zweiten Weltkriegs in Paris formierte und der französischen Elite über mehr als 2 Dekaden den Atem stocken ließ. Und damit rein ins Neue Haus der Kammerspiele. Roberto Ohrt, seines Zeichens Literat und Professor an der Akademie der freien Künste in München, sitzt an einem kleinen Tisch und zieht genüsslich an seiner Zigarette. Hinter ihm baut sich eine riesige Leinwand auf, Dias von Paris Anfang der 50er porträtieren seine Gedanken und geben ein ersten Eindruck auf das, was kommen wird. Ein Exkurs in das Reich der Lettristen, der Avantgarde junger links orientierter Intellektueller, die nur eines im Sinn hatten: die Befreiung aus der eigenen Unmündigkeit durch die praktische Aufhebung von Kunst und Alltag. Kurz gesagt: Der Alltag sollte zum Abenteuer mutieren und im Umkehrschluss sollte den Kapitalisten ein Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Roberto Ohrt erzählt von kleinen verrauchten Cafes und Bistros, in denen die Umwälzung städtischer Strukturen en Detail geplant wurde, von Sabotageakten und der Verhöhnung der damaligen Haute Culture in der eigens herausgebrachten Zeitschrift „Potlach“; von Wörtern, die in ihre Einzelteile zerlegt und dann umformiert als sinnfreie Lautgebilde auf Bluejeans gedruckt wurden. Die Zigarettenschachtel leert sich langsam, die Dias rattern immer noch unaufhörlich über die Leinwand. „Einer der Protagonisten des Abends ist Guy Debord“, erklärt Roberto Ohrt, ein genialer Filmemacher, Revolutionär und Kopf der Situationistischen Internationale, einer Gruppierung, die sich aus dem Lettrismus entwickelte und entscheidenden Einfluss auf die Bewegung der neuen Linken hatte und auf die Revolte in Paris im Mai ’68. Durch die Bekanntschaft mit dem dänischen Maler Asgar Jorn hielt die Situationistische Internationale auch Einzug auf internationalem Terrain. Zum ganz großen Durchbruch hat es bei den Lettristen bzw. den Situationisten trotzdem nie gereicht, doch dass war auch nicht der Punkt! Der Traum dadaistische und surrealistische Tendenzen nicht auf Bildern, sondern in der Realität zu verwirklichen, war ein Spiel, welches Raum und Zeit vergessen machte. „So jetzt ist aber genug, es wird eindeutig zu lang, Roberto!“, „der Mensch“ Schorsch Kamerun meldet sich im Publikum zu Wort: „eineinhalb Stunden sind wirklich lang.“ Da fällt es auch mir auf! Mann, mann, und das war nur ein Auszug dessen, was Roberto vorbereitet hatte. Und so schließt sich schlussendlich der Kreis. Wie jede revolutionäre Bewegung abhängig vom Zeitgeist ist, so ist es jeder Redner auch immer ein wenig von seinem Auditorium.

von jack marschall

 

29/oktober

/ roberto orth - arbeitet nie!

bedingungen für die erfindung eines besseren lebens - was ihr wissen müsst bevor ihr euch mit diesen auseinandersetzt erfahrt ihr hier.

 

27/oktober

/ münchen vs. hamburg - rote sonne vs. goldener pudel

Nach der großen Schlacht.... Am Samstag, den 25. Oktober war es endlich so weit: die DJs des Hamburger Golden Pudel Club traten gegen die Crew der Roten Sonne München an. Das gut besuchte neue Haus der Kammerspiele wurde zu diesem Städteduell in eine Hafenspelunke umfunktioniert, mit einer niedrigen Holzdecke, die von dicken Planken getragen wurde, schummriger Hafenbeleuchtung und dicken Sandsäcken. Dazu gab’s noch jede Menge Kunstnebel, der ab und an nahezu den Blick verwehrte auf die kleine, von Mischpulten und Plattentellern flankierte Bühne, auf der eine Couch und ein Klavier standen. Schon kurz nach Betreten des Raumes hatte man das Gefühl, hier etwas Einzigartigem beizuwohnen. Im 45-Minuten Takt traten Hamburger und Münchner gegeneinander an - und hängten die Meßlatte immer höher. M94.5 hatte die Jungs vom Golden Pudel Club ja schon ein paar Tage vorher in Hamburg interviewt und da hatten sie angekündigt, dass irgendetwas mit einem Klavier passieren würde. Die Hamburger sind meister der Performance, muss man wissen und so waren wir gespannt... Richard von der Schulenburg (den manche vielleicht auf von den Sternen kennen) tauchte dann tatsächlich im Frack auf, spielte erst mal klassische und jazzige Sachen. Dann erinnerten die Melodien immer mehr an altbekannte Elektrostücke und im Handumdrehen stand Richard von der Schulenburg am Piano und werkelte abwechselnd an dem kleinen Mischpult auf dem Klavier und seinem Laptop herum. Natürlich mit großer Pianisten-Geste. Einfach herrlich!! Aber auch die Münchner ließen sich nicht lumpen. DJ Upstart gab sich kampfeslustig und überließ den Hamburger Herausforderern (darunter auch: DJ Superdefekt und DJ Rüftata 110) nicht ohne wildes Gestikulieren und Sprüchereißen die Turntables. Außerdem verteidigten Tomm! und Schlachthofbronx! die Ehre der Münchener mit einem genauso raffinierten wie mitreißenden Sound. Bayrische Blechblasmusik traf feinste Elektrobeats, Ravesirenen und Trillerpfeifen und natürlich jede Menge Bass. Obendrauf gab’s eine Mischung aus Ghetto Rave, Kuduro, Baltimore Club und Dubstep. Die Menge hat jedenfalls gekocht. Die DJs gingen selbst so mit, dass zeitweise zu befürchten stand, der Schlachthofbronx-Soundfrickler hebe jetzt gleich handtuchschwenkend ab. Es war genial!! Stimmung und Sound waren so gut, dass Stillstehen fast unmöglich wurde. Und so ging die Party in der Hafenspelunke im Herzen Münchens noch lange weiter nachdem die letzte Bahn gefahren war. Eine wahrhaft legendäre Schlacht bei der es nur Gewinner gab!

von jana türk

 

21/oktober

/ „leute reinigt euch! schaum, ich will schaum, schaaaaum!“ - die große „ninfo – no info“ eröffnungsgala

Niemals wird es wieder so werden wie es war. Leute, es ist soweit! Der Startschuss ist gefallen. Am Samstag den 18. Oktober kam es zum großen Showdown. Die mehrmonatige Suchaktion nach Rest- und Neualternativen von und mit Schorsch Kamerun „Ninfo – No info“ wurde offiziell eröffnet. Mit von der Partie war die wunderbare österreichische Band Gustav, DJ Phono von Deichkind und die GommaGang. Schorsch Kamerun, der von nun an nur noch Schaumi oder alternativ „der Mensch“ genannt werden will, stellte die 17 Veranstaltungen und Protagonisten vor, die uns in den nächsten Monaten bei der Selbsttherapie zur Seite stehen. „Reinigt euch von der ganzen überflüssigen Informationslast“ war die Idee der Schaumparty, das Highlight des Abends. Das ganze macht Lust auf mehr.... Der Kampf gegen starre Denkschemata, Gewohnheiten und Gleichgültigkeit ist eröffnet !! Nächster Termin: Samstag 25.10, großes Citybattle München vs. Hamburg, DJgang Rote Sonne gegen Golden Pudel Club im Neuen Haus der Kammerspiele. Start: 21 Uhr Kommt vorbei und unterdrückt den Drang nach weiteren Infos, dann seid ihr auf dem richtigen Weg! Dem gereinigten Weg!

von natalie berner