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Burkini Beach live im Unter Deck

Wohnzimmer der Melancholie

Quelle: Bernd Wolfram

Burkini Beach im Unter Deck

Der Singer/Songwriter setzt sein Debütalbum live beeindruckend um und versetzt sein Publikum in ein tief bewunderndes, lauschendes Schweigen.

Umgeben von lackierten Holzwänden, einem roten Lampenschirm an der Decke und einem weißen in der Ecke steht Rudi Maier alias Burkini Beach im Münchner Unter Deck. Als wäre nicht schon genug Wohnzimmeratmosphäre geboten, sitzt seine Band geschlossen hinter ihm. Selbst der Bassist und der Lead-Gitarrist/E-Pianist haben auf gemütlichen Stühlen Platz genommen. Und wie es sich für ein Wohnzimmer gehört liegen auch Geschirrtücher rum – allerdings lediglich um das Schlagzeug zu dämpfen. Eine wahrlich intime, familiäre Atmosphäre.
 

An Intimität und Authentizität kaum zu übertreffen

Als Teil des Indie-Rock-Duos The Dope hatte Maier schon zwei Alben veröffentlicht und sich einen Namen gemacht. Dass sein Debütalbum als Solokünstler Supersadness Intl. so gut ankommt, hat er sich wohl nicht erträumen lassen. Die Location ist gut gefüllt und seine Lieder haben auch live etwas unglaublich Vertrautes und emotional Zugängliches. So fällt auch an diesem Abend wieder eine gewisse, stimmliche Ähnlichkeit zu Markus Acher von The Notwist auf (besonders bei dem Song „Your Weirdness and My Eloquence“) bei dessen Stimme ähnliche Gefühle aufkommen.
 

Supertraurig – mit einem Augenzwinkern

Natürlich ist der Abend von trauriger, nachdenklicher Musik geprägt. Allerdings sind die Lieder immer wieder auch mit der ein oder anderen Pointe versehen. Man muss ja auch den Spagat zwischen einem Namen wie Burkini Beach und einem Albumtitel wie Supersadness schaffen. Niedergeschlagenheit, die sich in Suizidgedanken auflöst, lässt man dann eben mit dem absurden Bild, sich in einem Waschbecken zu ertränken, stehen. Trotz der Augenzwinkerei, dominiert die Thematik der Enttäuschung und Depression den Abend. Auch, wenn ein Actionfilm in Songform („Bodyguards“) oder der „Versuch eines Liebesliedes“ („Tiny Boxes“) für Abwechslung sorgen.
 
Es ist ein Traumabend für Freunde der gefühlvollen Singer/Songwriter-Musik. Jeder Song schickt Gänsehaut über den ganzen Körper. Einzig ein Song scheint aus der Setlist herauszustechen: In einem brandneuen Song – einem vertonten Instagram-Feed – wird das Publikum mit Hashtags and Emojies überschüttet, was für Schmunzeln und gelegentliches Gelächter sorgt. Man verzeiht es den vier sympathischen Männern auf der Bühne aber sofort.
 
Als erste Zugabe hat Burkini Beach dann auch eine kleine Überraschung für seine Fans im Gepäck. Sie spielen eine stripped-down Version des The Dope-Songs „Blizzard the Kid“. Diese gelingt so gut, dass das Publikum eine zweite Zugabe verlangt. Tatsächlich betreten die Musiker dann nach einer weiteren, kurzen Gedenkpause ein drittes Mal die Bühne und spielen mit „Sleepover“ eine Lied, von welchem Maier behauptet, sie hätten es schon eine Ewigkeit nicht mehr gespielt. Hören kann man das nicht – es ist der perfekte Abschluss eines mitreißenden Konzerts.
 

Passenger lässt grüßen

Der gesamte Auftritt erinnert stark an den Briten Passenger. Dieser hatte sich vor seinem großen Durchbruch Jahre lang kontinuierlich durch die kleinen Clubs dieser Welt getourt. Gespielt hat er zu dieser Zeit immer vor einem perfekten Publikum – jeder war mucksmäuschenstill, voll und ganz auf die Musik fokussiert. Genauso ist es für Burkini Beach an jenem Abend im Unter Deck. Mit dem Erfolg verschwand bei Passenger diese Atmosphäre bei seinen Konzerten. Natürlich wünscht man Burkini Beach noch mehr Erfolg und noch größere Bühnen. Auch, wenn dabei wohl die Intimität der Konzerte verloren gehen würde. In der Zwischenzeit kann man seine Konzerte weiterhin nur wärmstens ans Herz legen.
Platte des Monats

Auf den Ehrenplätzen der Rubrik „Wörter, die es nur im Deutschen gibt“ sitzt seit jeher die feucht-fröhliche „Schnapsidee“. Sie beschreibt treffend wie kein anderes Wort das, was entsteht, wenn drei befreundete Musiker*innen auf einer Geburtstagsparty einen über den Durst trinken und dann beschließen eine Band zu gründen. Aus einer solchen Schnapsidee wurde auch das Bandprojekt Phantastic Ferniture um Sängerin Julia Jacklin, das auf seinem gleichnamigen Debüt den Emotionsreichtum der Adoleszenz in leichtfüßig schwankender und wunderbar wärmender Gitarrenmusik feiert.

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