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Magic Moshroom: Steve "Zetro" Souza von Exodus

Von Rockstars zu Legenden!

Quelle: M94.5 | Oliver Strosetzki

Exodus Frontmann Steve "Zetro" Souza

Exodus-Frontmann Steve „Zetro“ Souza über die Anfänge des Bay Area Thrash Metal und warum Slayer ihren Touralltag bestimmen.

Die Band Exodus aus der Bay Area, der Gegend um San Francisco, gehört zum Thrash-Metal wie das Amen in der Kirche. Mit Beginn der Achtzigerjahre legten sie mit ihrer schnellen, kompromisslosen Musik und ihren sozialkritischen Texten den Grundstein für ein Genre, das auch noch über 30 Jahre später mit Vertretern wie Megadeth, Slayer, Death Angel und Testament zu den stärksten Musikrichtungen der härteren Rockmusik zählt.

Exodus Sänger Steve „Zetro“ Souza gehört dabei mit zu den prägendsten Figuren einer ganzen Ära, der nach vielen Höhen und Tiefen nun seit 2014 wieder den Platz am Mikrofon bei Exodus eingenommen und der Band zurück zu alter Größe verholfen hat. Der M94.5 Magic Moshroom hat sich mit dem Exodus-Frontmann vor dem Konzert im Münchner Backstage getroffen und sich mit ihm über die Faszination Thrash Metal und die Vor- und Nachteile des Musikerlebens unterhalten.

Zetro, du hast seit Anfang der Achtzigerjahre den Aufstieg des Thrash-Metals bei Bands wie Legacy, aus denen dann Testament entstehen sollten, und natürlich Exodus hautnah miterlebt. Hattet ihr damals schon eine Ahnung, dass ihr an etwas wirklich Besonderem teilhabt, das noch über 30 Jahre später bestand haben sollte und weltberühmte Bands hervorbringt?

Die größte Band ist auf jeden Fall Metallica, egal ob Heavy Metal, Rock oder ein anderes Genre. Metallica sind einfach die Größten. Aber wenn ich so zurückschaue und die ganzen Erinnerungen aus der Zeit im Kopf habe, als sie noch nicht zu den Größten gehörten und sie niemand außer uns kannte, dann ist das wirklich eine tolle Sache: Zu sehen, wie alle Bands gewachsen sind. Also wir, Death Angel, Testament und natürlich auch Metallica. Man wächst aber auch über sich hinaus. Von Rockstars, zu vergessenen Helden, zu Legenden. Aber so ist das in der Musik und darum geht es letzten Endes.

"Nicht jede Stadt hatte dreizehn Kracher Thrash-Metal-Bands vorzuweisen"

Aber seid ihr euch damals der zukünftigen Bedeutung eurer Bands und des Genres schon bewusst gewesen?

Man weiß eigentlich erst, ob eine musikalische Bewegung eingetreten ist, wenn schon etwas Zeit vergangen ist. Als wir damals aufgetreten sind, hatte niemand von uns Kalifornien verlassen. Jetzt sind wir auf der ganzen Welt unterwegs. Damals spielten wir eigentlich nur in der Bay Area oder höchstens in Nevada, Tahoe, Reno oder Los Angeles. Aber als wir angefangen haben zu reisen, mussten wir feststellen, dass nicht jede Stadt dreizehn Kracher Thrash-Bands vorzuweisen hat, wie es bei der Bay Area der Fall war. Da dämmerte uns langsam, dass es mit uns etwas ganz Besonderes war. In den Neunzigern wurde uns dann richtig klar, dass wir etwas Monumentales geschaffen hatten.

Was glaubst du fasziniert die Menschen bis heute an dem Thrash-Metal Genre?

Ich glaube zum einen, dass die Bands auch heute noch gute Alben abliefern und es auch live noch wirklich drauf haben. Zum anderen denke ich aber auch, dass sie auf sozialer, politischer und religiöser Ebene eine sehr kritische Sichtweise haben. Es wird nicht ewig rumgelabert, sondern das Wichtigste musikalisch und textlich auf den Punkt gebracht. Thrash-Metal-Bands singen über das, was los ist in der Welt und was uns angeht, also die Minderheiten in der Bevölkerung. Das wissen die Fans eben zu schätzen. Dave Mustaine ist wirklich brillant darin und behandelt diese Thematiken andauernd.

"Solange die Fans dabei sind, werden wir für sie spielen"

Sein Song "Holy Wars" hat ja bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.

Jede Nacht hören die Fans immer noch gerne "Bonded By Blood" und singen beim "Toxic Waltz" mit. Es gibt so viele Songs, derer sie einfach nicht müde werden. Solange sie dabei sind, werden wir für sie spielen.

Du hast jahrelang als Zimmermann gearbeitet und kannst nun das Bandleben als Rockstar mit dem „normalen“ Leben vergleichen. Was sind da deiner Meinung nach jeweils die Vor- und Nachteile?

Positiv ist auf jeden Fall, dass du als Zimmermann jeden Abend nach Hause kommst. Mit der Band bin ich jetzt schon wieder über einen Monat unterwegs und war nicht zu Hause. Darin liegt schon mal ein großer Unterschied. Auch dass ich die Sicherheit habe, jede Woche bezahlt zu werden, obwohl die Band mittlerweile echt gut läuft und ich mir in dieser Hinsicht keine Sorgen mehr machen muss. Als ich der Band 2014 wieder beigetreten bin, habe ich gerade eine Auszeichnung für 20 Jahre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft verliehen bekommen. Ich bin dahingehend also voll abgesichert und könnte mit 63 Jahren in Rente gehen. Aber das bin ich jetzt noch nicht und habe darauf noch keine Lust.

"Auf der Bühne rocken ist leichter als ein Neun-Stunden-Tag"

Aber zur Frage, ob ich in den Job zurückkehren wollen würde? Natürlich nicht! Meine Augen und mein Knie machen es einfach nicht mehr mit. Es ist leichter, täglich 90 Minuten auf der Bühne zu stehen und zu rocken, als neun Stunden am Tag auf einer Leiter zu stehen. Aber mir war das egal. Ich habe gearbeitet, bevor ich bei Exodus einstieg, und hatte eine Familie für die ich verantwortlich war. Und wenn damals das Geld mit Exodus nicht reinkam, hätte ich nicht einfach mitten in einem Park ein Zelt aufstellen können und so eine Familie durchbringen können. Ich musste tun, was ich tun musste. Aber das gehört nun mal zu meinem Leben dazu und wird auch Erwähnung in meinem Buch finden, sollte es jemals geschrieben werden.

Hast du dann noch Momente, in denen du dir denkst: Verdammt, ich hätte bei meinem alten Job bleiben sollen?

Jeden Tag! (lacht) Aber mal im Ernst: Ich fände es schön, wenn das Touren für uns den größtmöglichen Komfort bieten könnte. Wenn ich meinen eigenen Tourbus hätte, wären meine Hunde und meine Frau dabei. Dann würde ich mein Zuhause auch nicht vermissen, weil sie ja dann alle bei mir wären. Aber meine Kinder sind mittlerweile erwachsen und spielen in Thrash-Metal-Bands. Deshalb ist es nicht so schwer, die Kinder zu verlassen, aber mit 54 Jahren ist das Touren wirklich hart.

"Gary kann nirgends anders hin!"

2014 habt ihr mit Blood In, Blood Out euer letztes Album veröffentlicht. Das ist nun schon wieder vier Jahre her. Wann können wir mit einem neuen Album rechnen?

Sobald Gary [Holt, Gründungsmitglied und Gitarrist von Exodus, seit 2013 offizielles Mitglied bei Slayer] mit Slayer fertig ist. Wir werden keine Aufnahmen beginnen, solange er nicht mit seinem Engagement bei der letzten Slayer-Tour fertig ist. Wann das aber sein soll, das weiß ich genauso wie du. (lacht) Bis jetzt haben sie ja noch weder den letzten Tourabschnitt noch das letzte Konzert verkündet, deshalb weiß ich momentan nicht so recht, wie es bei ihnen weitergeht. Wir sind uns vollkommen darüber im Klaren, dass das letzte Album vier Jahre zurückliegt, aber Gary zählt einfach zu den wichtigsten Mitgliedern der Band, ohne den wir nicht weitermachen können.

Wie geht ihr eigentlich damit um, dass er in zwei Bands spielt?

Um ehrlich zu sein ist es ein bisschen schwer alles durchzuplanen. Im Moment springt ja Kragen Lam für Gary ein. Er ist wirklich ein fantastischer Musiker, aber Gary ist nun mal Gary. Man kann nicht so einfach ein Original und eine Legende wie ihn ersetzen. Aber er kommt wieder, er kann ja nirgends anders hin. (lacht)

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