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Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi live

Schauspiel und Rap

Quelle: Maxim Abrossimow

Käptn Peng & die Tentacle von Delphi 2015

Mit Mikro, Kontrabass und Kochtopf kommen Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi nach München in die Muffathalle. Hip-Hop der etwas anderen Art!

Wenn deutsche Filmschauspieler anfangen Musik zu machen, sollte beim anspruchsvollen Hörer grundsätzlich eine gewisse Grundskepsis entstehen. Jüngstes Beispiel: Matthias Schweighöfer. Melodien und Texte die in etwa so klingen, als wären sie der Soundtrack zu einem Möbelhauskatalog. Weiße Eichenmöbelgarnitur, Licht scheint durchs Fenster. Mit Matthias im Ohr lassen sich alle Probleme der Welt vergessen. Fast genauso vergessen ist mittlerweile ein anderer missglückter Versuch eines deutschen Schauspielers sich als Rapper zu versuchen. Jimi Blue Ochsenknecht. Wer erinnert sich? „Hey jimi, hey whazup, can I have your autograph....“

Peng macht der Beat

Ganz anders ist es bei Robert Gwisdek. Er ist zwar genau wie Jimi Blue Spross einflussreicher deutscher Schauspieler – Michael Gwisdek und Corinna Harfouch –, kann aber im Vergleich zu Ochsenknecht wirklich rappen. Das stellt er seit 2009 mit seinem Alter-Ego Käptn Peng auf den Bühnen quer durch die Republik zur Schau. Seitdem sind Käptn Peng und sein älterer Bruder Johannes alias Shaban – der für die Beats verantwortlich ist -   mit ihrem unkonventionellen Hip-Hip nicht mehr wegzudenken aus der deutschsprachigen Rap-Szene.

Der Anti-Rap

Allerdings schwimmen sie – um es in den Worten von Dendemann zu sagen – in der derzeitigen Deutschrap Einheitsbrühe eher gegen den Strom, oder sind gar Nicht-Schwimmer. Denn Käptn Päng gibt sich weder dem Cloud-Rap hin, noch erzählt er in seinen Texten vom nächsten großen Koks-Deal. Seit 2013 ist er - mit der vierköpfigen Live-Band - den Tentakel von Delphi unterwegs und die Musik ist seitdem noch weiter vom Mainstream Hip-Hop abgerückt. Klar, Jazz, Soul und Funk bilden, wie beim Old-School Rap, die Basis des Sounds der Tentakel. Unterwandert wird das ganz allerdings von indieesken Gitarrenmelodien und einer ungewöhnlichen Rhythmik. An manchen Stellen erinnert das Ganze dann etwas an die Ulmer Ur- Deutschrapper von Kinderzimmer Productiones, aber eben in ein viel bunteres Gewand gesteckt. Und das macht das Ganze ziemlich originell. Auch die Texte vom Käptn sind weit weg von stereotypischen Deutschrap Narrativen. So reimt er mal über eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Füchsen und Albatrossen, oder auch das mehrköpfige schlangenartige Ungeheuer Hydra, aus der griechischen Mythologie, taucht öfter mal auf. Bei einer bloßen Aneinanderreihung der einzelnen Textfragmente ist es so oft gar nicht einfach einen übergeordneten Sinn zu entdecken. Doch genau daraus entwickelt sich eine erstaunliche lyrische Kraft.

 

Mit Töpfen und Socken

Am 19.Mai kommt voraussichtlich das neue Album „Das nullte Kapitel“ in die Plattenläden. Sechs Tage Später, am 25. Mai stehen Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi dann mit Mikro, Gitarre, Kontrabass und einer ganzen Kücheneinrichtung an Töpfen, auf die eingetrommelt wird, auf der Bühne im Muffatwerk. Und Robert Gwisdek zeigt bei seinen Auftritten sein ganzes schauspielerisches Repertoire. Imaginäre Dialog mit einer schwarzen Socke inbegriffen. Zwischendrin gibt es, wie in alter Blumentopfmanier, immer wieder Freestyle. Und da kommt es dann schon mal vor, dass die Band einfach anfängt zu improvisieren und Käptn Peng rappt was im einfällt. Diese musikalische Flexibilität ist der Vorteil einer eigenen Band gegenüber zwei bloßen Technics Plattenspielern. Und dass Rap mit Live-Musik auf der Bühne richtig groß ist, sollte spätestens seit The Roots jedem Hip-Hop Liebhaber klar sein. Wer jetzt noch überlegt, es sich am 25. Mai auf der Couch zuhause gemütlich zu machen und sich etwa Neue Vahr Süd mit Robert Gwisdek anzuschauen, statt sich die Schuhe anzuziehen und in die Mufferthalle zu gehen, könnte vielleicht der Sockosophie verfallen sein.

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi in der Muffathalle

Donnerstag 25. Mai. 2017

Einlass: 20:30 Uhr

Alle Karten sind derzeit leider vergriffen!

Präsentiert von M94.5

 

Platte des Monats

Versucht man das Debüt-Album „Happy Freedom“ des Kölner Trios WOMAN zu beschreiben, kommt man nicht an Metaphern und bildlicher Sprache vorbei. Die zehn raffiniert produzierten Songs liegen irgendwo zwischen Synthie-Sound-Tsunamis und Aufzugmusik. Dazu Disco-Drums, grelle Gitarrenriffs und Kapitalismuskritik. Musik, so vielschichtig wie das Albumcover: Das Innere der Welt, eine Diskokugel.

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