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Basement Jazz am 18. Mai 2015

Propagandajazz im Dritten Reich

Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv

Joseph Goebbels, ab 1933 Propagandaminister

Jazz war bei den Nazis zwar verpönt, es gab ihn aber trotzdem. Speziell in einem eigenen Programm, das die Alliierten beeinflussen sollte - mit guter Laune und Texten gegen "den Feind".

Dass Jazz während der Nazizeit zu den ungeliebten Kunstformen zählte ist bekannt. Manchmal sieht man auch ein Bild, auf dem "Swingtanzen verboten" steht, allerdings stammt dieses Plakat von einer Compilation aus den 70ern - es ist also nicht authentisch. In den Kriegsjahren selbst hatten es Jazzliebhaber und Musiker in Deutschland aber doch schwer. Denn Jazz war die Musik der Amerikaner, der Schwarzen, der Juden - schlichtweg die Musik des Feinds und von "Rassen", die nach der Nazi-Ideologie nichts galten.

Musikalische Propaganda statt Fronteinsatz

Ab 21 Uhr geht es um die fast unbekannte Geschichte von Charlie and his Orchestra - einer Bigband mit Sänger und Namensgeber Karl Schwedler, die direkt Joseph Goebbels unterstellt war. Ein Propagandaorchester, das für die deutschen Auslandsprogramme Schlager der Zeit spielte, sehr virtuos und sehr amerikanisch. Innerhalb Deutschlands wusste so gut wie niemand davon, dass es Musiker gab, die mehrmals Einberufungsbescheide zerreißen konnten, weil ihre Arbeit als kriegswichtig und sie damit als "unabkömmlich" gegolten haben.

"Let's go Bombing"

Es ging aber nicht bloß darum, zur Tarnung gut gelaunte Musik zu spielen, während die Familien im Vereinigten Königreich am Radio warteten, ob ihre Väter in Kriegsgefangenschaft interviewt werden. Das besondere an Charlie and his Orchestra sind die Texte, die meist radikal verändert wurden: Gesungen wurde gegen den britischen Premier, gegen Juden, Russen, Schwarze - und von angeblichen deutschen Kriegserfolgen. Aus Slumming on Park Avenue etwa wurde "Let's go Bombing".

Am Samstag gab es einen Konzertabend an der Münchner Hochschule für Musik und Theater (Link zum Programm mit Propagandatexten), der dieses Thema musikalisch und historisch aufbereitet hat. Wir haben mit Organisatoren und Studenten gesprochen und Musik mitgebracht - Von der Bigband des Jazzinstituts und Originalaufnahmen von "Charlie and his Orchestra".
 

Deutscher und österreichischer Jazz heute

Als Erholung von der ersten Stunde gibt es ab etwa 22 Uhr ein paar neue CDs zu hören. Junge europäische Bands zeigen, wo 70 Jahre nach Kriegsende der Jazz steht. Damit es nach einer Stunde dickem Bigband-Klang etwas weniger "fett" daherkommt, haben wir nur Trios ausgesucht:
David Helbock Trio, Mario Rom's Interzone und Jürgen Friedrichs Reboot zum Beispiel.


Moderation: Kristin Ofer, Xaver Scheffer und Martin Bürkl

 

Sendung war sieben Tage lang nachzuhören. Hier geht's zur Playlist:
http://www.m945.de/playlist/playlist_basement_jazz_vom_18_mai_2015.html

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„Einmal alles bitte!“ So ungefähr könnte man sich das Album von Oneohtrix Point Never im Plattenladen des Vertrauens bestellen. Stilbrüche sind das eine, aber einen einzigen Song aus verschiedensten Genres zusammenzustückeln, das andere. Und genau das macht sich Oneohtrix Point Never zu nutze, um Musikliebhaber für sich zu gewinnen oder zu verwirren. Unsere Redaktion ist zwar verwirrt, aber das im ganz positiven Sinn. 

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