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Tony Palermo von Papa Roach im Interview

Papa Roach waren nie weg!

Quelle: M94.5 | Oliver Strosetzki

Tony Palermo im Interview mit dem Magic Moshroom

Drummer Tony Palermo von Papa Roach erzählt wie ihnen die Welt zu Füßen lag und warum sie immer noch etwas zu sagen haben.

Im Jahr 2000 gehörten die vier Kalifornier mit ihrem Debütalbum "Infest" und dem Überhit "Last Resort" zur Speerspitze der neu aufkommenden Nu-Metal Bewegung und wurden in einem Atemzug mit Größen wie Limp Bizkit und Linkin Park genannt. 17 Jahre später touren Papa Roach konsequent weiter, bringen regelmäßig Alben raus und mischen mächtig in der wieder erstarkenden Nu-Metal Szene mit  - und das trotz einiger personeller Wechsel.

Dieses Jahr veröffentlichten sie nun ihr mittlerweile neuntes Album "Crooked Teeth". Dabei präsentieren sie sich erstmals auch von ihrer poppigeren Seite, aber ohne den energiegeladenen Papa Roach Drive aus den Augen zu verlieren. Während ihrer "Crooked TeethTour 2017" haben sie auch einen Stopp im Zenith in München eingelegt.

Diese Chance hat sich der Magic Moshroom natürlich nicht entgehen lassen und Drummer Tony Palermo, der 2008 den heiß begehrten Platz an den Drums von seinem Vorgänger David Buckner übernommen hat, vor Ort getroffen. Während im Hintergrund schon die Verstärker warmlaufen, hat Tony einiges zu erzählen.

Papa Roach spielen ja heute zum elften Mal in München. Was verbindest du mit der bayerischen Hauptstadt?

[00:12]

Naja, es ist Oktoberfest oder? Also wird gefeiert …obwohl es ja eigentlich erst September ist!

Warst du schon einmal auf dem Oktoberfest?

Ich glaube es war 2012 und wir hatten etwas Zeit rauszugehen. Da war ein wirklich schöner Biergarten, also alles wie man es sich vorstellt und aus dem Fernsehen kennt. Alle in Lederhosen, die berühmte deutsche Wurst und das Bier natürlich.

Vielleicht kommen ja heute zum Konzert auch ein paar Fans in Lederhosen und Dirndl.

(lacht) Ich hoffe doch mal!

Ihr habt ja bereits die Bühne mit Top-Acts wie Eminem oder Marilyn Manson geteilt, es war also quasi von HipHop bis Industrial alles dabei. Papa Roach wird ja auch eine Crossover-Band genannt. Mit welchem Genre fühlst du dich am meisten verbunden?

[01:02]

Als Kind waren es auf jeden Fall Funk und Hardrock. Natürlich kam HipHop etwas später, was dann aber auch die Band ziemlich beeinflusst hat, wie man es ja auch unschwer in den Papa Roach Grooves heraushören kann. Aber tief im Herzen bin ich einfach ein Rocker. Ich liebe laute Gitarren, fette Drums, ergreifenden Gesang und großartige Basslines.

Und wie schaut es mit Nu-Metal aus? Das ist ja ein Genre, das ihr besonders mitgeprägt habt.

Ja das ist echt verrückt! Wenn du anfängst Musik zu machen, erwartest du nicht gleich einer bestimmten Musikrichtung zugeordnet zu werden, wie es bei mir mit Rock der Fall wäre. Aber Teil von etwas zu sein, dass dich und deine Band praktisch aufs nächste Level katapultiert ist unbeschreiblich und dafür sind wir wahnsinnig dankbar. Es ist wirklich ein wahnsinnig gutes Gefühl Klassiker wie "Last Resort" oder "Scars" im Repertoire zu haben. Wir werden einfach nicht müde die Songs live zu spielen, besonders weil die Leute jedes Mal total durchdrehen.

"Es fühlt sich echt gut an, dass wir so viele Leute beeinflusst haben"

Nu-Metal ist wieder im Kommen und viele Metalcore Bands beziehen sich auf den unverkennbaren Stil, der sich in den 2000ern entwickelt hat. Papa Roach war da von Anfang an mit dabei, aber was bedeutet Nu-Metal für dich?

[02:35]

Ach, es ist wirklich ein gutes Gefühl, wenn viele der jüngeren Bands zu uns kommen und sagen, dass sie mit uns aufgewachsen sind. Das bedeutet uns wirklich eine Menge. Man fängt einfach an und spielt Musik für sich selber, weil man ja eh nichts Besseres zu tun hat und wirklich Spaß am Musikmachen hat. Dann wird aufeinmal eine Band daraus, später sogar ein ganzes Genre und schließlich ein weltweites Phänomen. Das ist wirklich krass. Es gab auch einmal eine Zeit, da sind diese ganzen Bands einfach verschwunden, aber wir haben es irgendwie geschafft unsere Richtung, Kreativität, aber auch unsere Präsenz in der Szene beizubehalten. Es fühlt sich echt gut an, dass wir so viele Leute beeinflusst haben und all die Kids treffen, die jetzt selber in Bands spielen. Aber wie ich gesagt habe, es ist einfach eine lange Reise, an der wir Teil haben dürfen. Gleichzeitig ist es auch echt komisch zu einem gewissen Grad immer in eine Schublade gesteckt zu werden. Wir haben auch immer versucht unseren musikalischen Horizont zu erweitern und etwas Neues zu probieren. Schau dir zum Beispiel den Song "Parascope" von unserem neuen Album "Crooked Teeth" an. Er ist wirklich poppig, gleichzeitig trotzdem immer noch Papa Roach. Wir haben so viele verschiedene Einflüsse und das ist glaube ich auch einer der Gründe, warum den Fans unsere Musik so gut gefällt. Sie kriegen nicht immer das gleiche Album serviert und so ist es jedes Mal etwas geheimnisvoll.

Was die Songs gemein haben ist die Energie, die ihnen innewohnt.

Ja genau, selbst bei einem Song wie "Parascope". Dann ist er eben etwas poppiger und ruhiger, aber er trägt immernoch dieselbe Papa Roach Energie in sich. Wir spielen ihn jeden Abend und er geht einfach nur ab. Die Leute können sich wirklich damit identifizieren. Wenn man manchmal einen neuen Song live spielt, denkt man sich: „Hm, das Publikum kommt nicht so darauf klar…“, aber beim neuen Material, auch dem poppigeren, ist das nicht der Fall.

Zeitlose Texte

Nu-Metal war ja immer auch Musik für Teenager, die sich missverstanden gefühlt haben und nach jemandem gesucht haben, der sie versteht und mit dem sie sich identifizieren können. Woher bezieht deiner Meinung nach Papa Roach immer noch die Kraft Generationen von Kids zu erreichen?

[05:15]

Grundsätzlich geben wir uns wirklich sehr viel Mühe bei den Lyrics. Und Jacoby (Sänger) schreibt sich jedes Mal wirklich die Seele vom Herzen. Es ist entweder immer etwas, das er selber am eigenen Leib erfahren hat, oder er aus Gesprächen oder Büchern erfahren hat. Er hat wirklich viel im Leben durchmachen müssen und jeder Fan der Band weiß, dass er tief innen drin immer noch Dämonen mit sich herumträgt. Das versucht er in seinen Texten und seiner Musik zu verarbeiten.

Youtube is watchin' you!

Jacoby (Shaddix, Sänger) machte 2013 nach langer Zeit einen Drogen- und Alkoholentzug. Inwiefern hat dieser Wandel den Zusammenhalt in der Band gestärkt und Prozesse wie das Songwriting beeinflusst?

[06:03]

Er ist jetzt auf jeden Fall fokusierter und zielgerichteter. Es können einfach viele schlechte Sachen passieren wenn man auf Tour ist. Es gibt einfach viele Stunden, in denen man nichts zu tun hat. Wenn man dann den ganzen Tag feiern will, hält einen nichts davon ab. Aber die Shows werden halt echt beschissen. Und die Leute merken das heutzutage sofort. Wenn etwas passiert wird es sofort auf Video und Ton festgehalten und schon geht das Gemunkel los: „Hast du das gesehen? Die klangen einfach fürchterlich.“

Und das praktisch schon ein paar Minuten nach Konzertende.

Ja richtig! Aber mittlerweile sind wir voll und ganz auf unseren Job konzentriert und versuchen bei dem was wir abliefern so professionell wie möglich zu sein. Natürlich darf man den Businessanteil nicht vergessen, aber wir lieben es auch einfach auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen. Genau das ist für uns eine der treibenden Kräfte das Ganze noch professioneller anzugehen. Die Gesichter der Fans zu sehen wenn wir auf die Bühne gehen ist echt unbezahlbar und ich kann es mir einfach nicht vorstellen, da oben zu sein und von Alkohol und Drogen zugedröhnt nichts mitzubekommen.

Die neueste Single eures Albums „Crooked Teeth“ ist „American Dreams“. Was bedeutet der „American Dream“ für dich?

[07:41]

Der Song handelt ja davon, wie sich der American Dream gewandelt hat. Ich will jetzt nicht zu politisch werden, aber ich bin einfach nicht glücklich mit unserer jetzigen politischen Situation. Meiner Meinung nach haben wir gerade jemanden im Amt, der keinerlei Empathie und Sympathie empfindet. Ich weiß gar nicht wie ich das genau ausdrücken soll, er ist eine so narzistische Person. Einfach nur widerlich. Am liebsten hätte ich ihn aus dem Amt. Für mich bedeutet deswegen der American Dream von jemandem vertreten zu werden, der sich um alle Leute kümmert und nicht nur die Reichen.

"Wir entwickeln uns momentan wieder rückwärts"

Hat sich der American Dream seit dem Zeitpunkt, als du der Band beigetreten bist geändert?

Ich finde, wir entwickeln uns momentan wieder rückwärts. Das Gute daran ist immerhin, dass es nicht von Dauer ist. Früher handelte der American Dream davon, einen Job zu haben und ein Haus zu besitzen. So war es jedenfalls für eine lange Zeit. Ich für meinen Teil habe das Glück ein Hausbesitzer zu sein und meinen American Dream zu leben. Nämlich das auszuleben, mit dem ich mich am meisten wohl fühle: Musik zu spielen. Wenn man jünger ist, ist man sich oft nicht sicher in dem was man tut, es fühlt sich zwar richtig an, aber Geld verdient man damit auch nicht wirklich. Die ganzen alltäglichen Schwierigkeiten die man hat, wenn man zum Beispiel sein Instrument immer auf und abbauen oder man konsequent proben muss. Für mich ist es einfach das Großartigste ein Haus und eine Familie zu haben und Musik zu machen. Das sind die drei wichtigsten Sachen für mich.

 

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Du wirkst gerade so relaxt und entspannt auf mich. Bist du überhaupt noch nervös, bevor es für dich auf die Bühne geht?

[11:15]

Ja absolut! Das gehört einfach dazu. Mir geht’s eigentlich nie so, dass ich mir kurz bevor es auf die Bühne geht denke „mehhh“. Wir umarmen uns sehr viel bevor wir loslegen und pushen uns gegenseitig. Momentan haben wir ja auch neue Songs vom Album, die es als ein neues Produkt zu präsentieren gilt. Das ist wirklich aufregend für uns und reißt die Leute auch wirklich mit. Es ist wirklich aufregend jede Nacht zu wissen, dass wir da raus gehen und loslegen können.

Vielen Dank Tony, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast!

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