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Wie entsteht Schönheit?

Autor(en): Felicia Hofner am Mittwoch, 25. September 2013
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Quelle: déjà-vu film

Tine Wittler verlässt ihre vier Wände und macht sich in Wer schön sein will, muss reisen auf die Suche nach Antworten. Mit wenig Erfolg...

Wie entsteht Schönheit? Wie entstehen Ideale? Und wie gehe ich damit um?

Mit diesen Fragen im Hinterkopf haben sich Tine Wittler und Regisseur René Schöttler im Januar 2011 auf den Weg ins afrikanische Mauretanien gemacht, eines der ärmsten Länder der Welt. Sklaverei und Kinderarbeit sind dort weit verbreitet, auf Homosexualität steht die Todesstrafe und lesen und schreiben können nur zwei Drittel der über 15-Jährigen. Eine Kultur, die gegensätzlicher zu unserer westlichen nicht sein könnte und genau deshalb das Ziel der Reise sein soll. Denn in Mauretanien gilt: Je dicker eine Frau, desto schöner ist sie.

Von gefährlichen Medikamenten und der Zwangsmästung

Tine Wittler und ihr Team wollen in ihrem Dokumentarfilm dem Schönheitsideal der runden Frau auf den Grund gehen. Dabei sprechen sie mit einigen der schönsten und somit dicksten Frauen im Dorf, erfahren von den gefährlichen Medikamenten, die junge Mauretanierinnen konsumieren, um zuzunehmen und treffen eine Frauenrechtsaktivistin, die sich gegen diesen Schönheitswahn einsetzt. Außerdem wagt Tine Wittler einen Selbstversuch und unterzieht sich der sogenannten „Gavage“, der Zwangsfütterung. Eine gewaltsame Maßnahme, bei der schon kleine Mädchen mit Fleisch und Kamelmilch regelrecht gemästet werden.

Leider noch etwas unstrukturiert

Eindrucksvolle Bilder und interessante Erfahrungen, die in der schleppenden Doku aber leider etwas untergehen. Das Filmmaterial wird chronologisch gezeigt, wodurch sich die einzelnen Themen ständig wiederholen: Erfahrungen von dicken Frauen, Berichte über die Zwangsmästung, gefährliche Medikamente, Erfahrungen von dünnen Frauen, Zwangsmästung, dicke Frauen, Medikamente, und so weiter und so fort.
Dabei hätten die aufschlussreichen Gespräche mit den Mauretaniern mehr Wirkung, würden sie thematisch zusammengefasst werden. Für den Zuschauer, der die mehrwöchige Reise in nur eineinhalb Stunden durchlebt, ist die Erzählung so leider sehr unübersichtlich.

Kaum Emotionen

Viele bewegende Schicksale werden erzählt – trotzdem wirkt der Film insgesamt eher nüchtern. Die Kommentare von Tine Wittler sollen zwar persönliche Eindrücke und Emotionen vermitteln, beim Zuschauer kommt davon allerdings nur wenig an. Der nachträglich eingesprochene Voice-over Kommentar klingt abgelesen und schrecklich monoton. Die vor Ort aufgenommenen Statements wirken immerhin etwas authentischer, aber ähnlich emotionslos. Ein wenig Filmmusik zur Untermalung hätte dem Film gut getan, doch auch die wird nur an wenigen Stellen eingesetzt.

Fazit

93 Minuten – das ist normale Spielfilmlänge. Bei „Wer schön sein will, muss reisen“ werden diese 93 Minuten aber zu einer halben Ewigkeit. Bis zum Schluss gibt es keine klaren Antworten und jedes Mal wenn Frau Wittler auf Englisch oder Französisch versucht, mit den Einheimischen zu kommunizieren, stehen einem förmlich die Haare zu Berge. Letztendlich verlässt man den Kinosaal mit großer Erleichterung und vielen, vielen Fragen im Kopf: Wie entsteht Schönheit? Wie entstehen Ideale? Und wie gehe ich damit um?

 

Wer schön sein will, muss reisen läuft ab dem 26. September in den deutschen Kinos.

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