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Vorhang auf und Bühne frei!

Quelle: © M94.5

Vorhang auf für die Theaterhighlights

Halbzeit auf den Münchner Theaterbühnen: Hier sind fünf Stücke, die ihr bis zur Sommerpause noch unbedingt sehen müsst.

Wir haben uns durch die bisherigen Premieren der Spielzeit 17/18 gewühlt und ein paar persönliche Highlights für den geneigten Münchner Theatergänger heraus gepickt.

Trommeln in der Nacht (Kammerspiele)

Provozierend, anders, fesselnd: Hausregisseur Christopher Rüping inszeniert „Trommeln in der Nacht“ von Bertolt Brecht an den Münchner Kammerspielen. Doch ein Blick in das Programm macht stutzig – hier gibt es eine Version "von Bertolt Brecht" und eine "nach Bertolt Brecht". 

Einziger Unterschied: Das Ende. Einmal entscheidet sich der Hauptcharakter für das traute Heim und Glück, einmal für die Revolution. Warum zwei Versionen? Die Geschichte über den Kriegsheimkehrer Kramer hatte damals im Jahre 1922 an den Münchner Kammerspielen ihre Uraufführung – inklusive Happy End, die „von“-Brecht-Version also. Brecht hat lange mit dieser Friede, Freude, Eierkuchen Version gehadert und überlegt, Kramer doch auf die Barrikaden zu schicken. Genau dies tut Rüping in der Version „nach“ Brecht. In beiden Varianten lassen die Schauspieler jedoch eben jene Uraufführung von 1922 wieder aufleben.

Das gelingt mit dem gleichen Bühnenbild wie damals, Tonaufnahmen, ähnlichem Sprechduktus, ähnlicher Spielweise. Der erste Akt ist noch eine komplette Rekonstruktion, zum Ende hin verlässt „Trommeln in der Nacht“ diese Form und wird laut und aktuell. Durchweg scheint der Zuschauer nie auf das gefasst, was als nächstes passiert. Und gerade, wenn sich die Härchen aufstellen und man drin ist, in dieser trostlosen Welt, gerade als die erste Träne in den Augen glitzert, wird man vom Ensemble um die hervorragende Wiebke Puls beim romantischen Glotzen erwischt. Ist doch alles gar nicht echt! Episches Theater par excellence, so modern wie nie. ms

Philip Lahm (Marstall)

Im Marstall wird diese Saison das etwas andere Stück mit dem Titel „PHILIP LAHM“ aufgeführt. Es handelt sich dabei tatsächlich um den ehemaligen Fußballer Philipp Lahm und um sein alltägliches Leben. Dabei wird jedoch die Persönlichkeit "Philip Lahm" genutzt, um zu verallgemeinern – und so das Leben eines jeden Deutsches zu zeigen. Philipp Lahm ist nämlich nichts anderes als der Durchschnittsdeutsche, der ein unfassbar langweiliges Leben führt.

Sein Motto: „Fernsehen und früh ins Bett gehen, das ist eine Haltung. Das kann man nicht performen. Das muss man leben.“

Aber ist deshalb das Theaterstück an sich langweilig? Ganz und gar nicht. Denn der Hauptdarsteller (und einzige Darsteller) Gunther Eckes spielt diese Figur bravurös und bringt das Publikum durch die übertriebene Darstellung des Alltäglichen mehr als einmal zum Lachen. Jedoch wirkt der Gag ab etwa dem Beginn der 2. Halbzeit (das Stück dauert so lang wie ein Fußballspiel – 90 Minuten) etwas totgetreten und so endet der Abend mit einem zunächst unterhaltsamen und witzigen und später lahmen 1:1. Pluspunkt: auch für nicht fußballaffine Menschen sollte dieses Stück im Marstall ein heiterer Abend werden. Eine ausfürliche Kritik zu dem Stück könnt ihr hier nachlesen. jr

MOSES (Bayerische Staatsoper)

2016 begann die Zusammenarbeit mit „NOAH“, weitergeführt wird sie nun in dieser Saison mit „MOSES“: Die Bayerische Staatsoper bringt junge Geflüchtete und Münchner gemeinsam auf die Bühne, um ihre Erfahrungen miteinander, sowie mit dem Publikum zu teilen. Ähnlich wie Moses, eine seit Jahrtausenden religionsübergreifend bekannte Figur, müssen auch heute viele Menschen aus ihrer Heimat fliehen. So wird der Mythos verwoben mit den ganz individuellen Geschichten der syrischen, afghanischen, nigerianischen, deutschen Schauspieler: Sie erzählen von ihren Fluchtwegen, von Rassismus im Alltag, aber auch von Willenskraft, Durchhaltevermögen und Lebensmut. Dem harmonischen Zusammenspiel merkt man an, dass die gemeinsamen Proben aus Fremden Freunde gemacht haben, und auch wenn die Produktion zuweilen etwas provisorisch wirkt, stecken in ihr doch Unmengen an Energie. Das Drehbuch wurde gemeinsam in Workshop-Proben und damit einem sehr organischen Prozess erarbeitet, so dass die Jugendlichen ihre eigenen Texte vortragen, verbunden mit Auszügen aus der Moses-Geschichte.

Getragen wird das Ganze nicht nur von einer bunten Vielfalt an Sprachen, sondern auch an Musik: Klänge unterschiedlichster Kulturen machen den Abend zu einem authentischen Blick in die Lebenswelt derjenigen, die so häufig die Schlagzeilen dominieren, aber selten selbst zu Wort kommen. Ein Projekt, das gerne öfter stattfinden darf. nc

ALICE (Metropoltheater)

Grinsekatze, Hutmacher, Herzkönigin: Diese Figuren haben sich so tief in die Populärkultur eingegraben, dass die Flut an Bearbeitungen von ‚Alice im Wunderland’ bis heute nicht nachlässt. 2017 war der Kinderbuch-Klassiker bereits am Bayerischen Staatsballett und am Residenztheater zu sehen. Musste da das Metropoltheater im November wirklich auch noch eine ‚Alice’-Premiere obendrauf setzen? Ja, unbedingt! Denn was die Freimanner hier gezeigt haben, war nicht noch ein quirlig-bunter Wunderland-Ausflug, sondern ein melancholisches, musikalisches Märchen für Erwachsene fernab der Kinderbuch-Vorlage. Und dann auch noch nach einem Regie-Konzept von Musik-Legende Tom Waits.

Angenehm überraschend: Die Inszenierung im Metropoltheater bricht komplett mit gängigen Bildern. Regisseur Phillip Moschitz setzt einfach voraus, dass der Alice-Stoff ohnehin jedem Zuschauer bekannt ist. Und so trägt der Hutmacher zur Abwechslung mal keinen Hut, die Herzkönigin verzichtet auf den obligatorischen Herzmuster-Dresscode und Alice ist keine Jungschauspielerin im Rüschen-Kleid, sondern eine erwachsene Frau, die eine Kinderpuppe führt. Trotzdem erkennt die Figuren jeder. Und trotz dieser Vereinfachungen wirkt das Wunderland berauschend und ist vor allem dank der großartig-skurrilen Tom Waits Musik ein Erlebnis. Wieder einmal hat es das Metropol-Ensemble geschafft, mit Minimalismus und Bühnen-Magie eine ganz andere Interpretation eines Stücks zu erschaffen, als sie der Zuschauer erwartet. Die Inszenierung ist feinfühlig, musikalisch überwältigend, zwischendrin oft erschreckend, aber in jedem Fall fantastisch. In unserer Mediathek könnt ihr mehr über das Stück erfahren. sf

Heilig Abend (Residenztheater)

Es ist Weihnachten, kurz vor Mitternacht. Auf der digitalen Uhr, die über der Bühne des Residenztheaters hängt, kann man die Zeit während dem Stück unaufhörlich mitverfolgen. Denn auf der Bühne spielt die Zeit bis MItternacht eine entschiedende Rolle. Um Mitternacht, so denkt es zumindest der Polizist, der in der Verhörzelle sitzt, wird die Frau, die vor ihm sitzt, eine Bombe zünden. Ob diese Bombe überhaupt existiert und wo sie versteckt ist, versucht das Theaterstück "Heilig Abend" im Residenztheater innerhalb von 90 Minuten herauszufinden.

Die Dynamik zwischen den beiden Schauspielern Sophie von Kessel und Michele Cuciuffo ist packend und wechselt ebenso häufig, wie die Emotionen und Meinungen des Zuschauers. "Heilig Abend" ist ein intelligentes Stück, des ebenso zum Nachdenken und Spekulieren anregt, wie es unterhält. Das Ticken der Uhr und die Spannung bis zu dem Moment, in dem die Uhr Mitternacht schlägt, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. ah

Platte des Monats

„Einmal alles bitte!“ So ungefähr könnte man sich das Album von Oneohtrix Point Never im Plattenladen des Vertrauens bestellen. Stilbrüche sind das eine, aber einen einzigen Song aus verschiedensten Genres zusammenzustückeln, das andere. Und genau das macht sich Oneohtrix Point Never zu nutze, um Musikliebhaber für sich zu gewinnen oder zu verwirren. Unsere Redaktion ist zwar verwirrt, aber das im ganz positiven Sinn. 

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