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Die Münchner Biennale 2018

Privates wird Publik

Quelle: ©Biennale

Biennale - Festival für junges Musiktheater

Das Festival für neues Musiktheater reflektiert über das Thema Privatsache: Das sind die Highlights des experimentellen Programms.

Privatheit ist das Thema der diesjährigen Biennale in München und das wird nicht besonders ernst angegangen. Die Besucher dürfen in Badewannen abtauchen oder auf einem Boot über den Starnberger See rudern. Das Festival für neues Musiktheater gibt es schon seit 1988 und es ist weltweit das einzige, das ausschließlich Uraufführungen zeigt. Unter der künstlerischen Leitung der Komponisten Manos Tsangaris und Daniel Ott wurden 10 Tage lang an 12 Spielorten die Aufführungen der jungen Künstler gezeigt. Die eindrücklichsten und vielleicht auch am privatesten erlebten Inszenierungen von Oper, Operette, Musical und allem dazwischen sind hier in der Zusammenfassung unserer Kulturredakteure nachzulesen.

 

Third Space

Instrumente, die nicht mehr musikalisch klingen und Tänzer, die den Zuschauern näherkommen, als manchen lieb ist: der Komponist Stefan Prins und der Choreograf Daniel Linehan nehmen den Titel ihrer Inszenierung wörtlich und schaffen einen neuen Raum zwischen Publikum und Bühne.
Zu Elektrischen Tönen, die teilweise eher wie Störungen klingen werden auf dem Vorhang hinter dem Dirigenten Videos von Tänzern eingeblendet, die sich in einer Art Ausdruckstanz zu den Geräuschen bewegen. Der Zuschauer beginnt sich anhand der Videoaufnahmen den nicht sichtbaren Raum um die Tänzer herum vorzustellen. Etwa nach der Hälfte der Performance laden die Tänzerdann auch  Leute aus dem Publikum ein, mit ihnen auf der Bühne Platz zu nehmen. Damit setzen die Macher von „Third Space“ das Thema „Privatsache“ um und erschaffen einen initimen Raum, in dem sowohl Öffentlichkeit als auch Privates nebeneinander stehen können. Der Zuschauer auf der Bühne erlebt die Nähe zu den Künstlern, während der Zuschauer im Publikum das Geschehen distanziert betrachtet.

"Third Space" ist eine Performance, die das Thema der Biennale spannend aufgreift und dem Wort Musik eine ganz neue Bedeutung gibt.

JR

http://mediathek.m945.de/?podcast=k13-third-space

Wir aus Glas

Opernfeeling kommt auf im Muffatwerk. Im Rahmen der Biennale bringen Talentierte Sänger und Musiker unter der Leitung von Yasutaki Inamori das Stück “Wir aus Glas”

auf die sich hin- und her bewegende Bühne.  Das Publikum beobachtet eine 5-köpfige Wohngemeinschaft bei ihren Alltagsritualen. Diese schweben in einer unsichtbaren Blase - fernab von der Außenwelt. Sie isolieren sich vor dem „draußen“ und gehen Konflikten aus dem Weg. Immer weiter geht vor allem die Angst vor dem Neuen und Fremden. Deshalb spielen besonders Emotionen eine große Rolle. Die können die Schauspieler in ihren Gesängen perfekt zum Vorschein bringen.

Sind wir also aus Glas? Sollen wir uns mehr trauen im Leben, weil es zu schnell vorbei sein kann? Oder doch nur hin und wieder aus unserer Komfortzone ausbrechen? Viele Fragen bleiben nach „Wir aus Glas“ ungeklärt. Aber genau das bietet am Ende schließlich Raum für Interpretation: Raum um diese 75 Minuten auch auf sein eigenes Leben zu reflektieren.

FH

http://mediathek.m945.de/?podcast=wir-aus-glas

Bathtub Memory Project

Theater ganz Privat? Das hat das Bathtub Memory Project wörtlich genommen. Das Gemeinschaftsprojekt der vier Griechen Eleni Efthymiou (Gesang, Text), Natasa Efstathiadi (Szenografie, Kostüm-Design), Eleftherios Veniadis (Komposition) und Leonidas Giannakopoulos (Video-Illustration) ist nämlich eine Performance für immer nur einen Zuschauer. Und der sitzt dann zu allem Überfluss auch noch in der Badewanne! In einer dunklen Halle, in einem kreisrunden von weißem Stoff umspannten und hell

beleuchteten Bereich wartet ein duftendes Schaumbad. Bademantel und Schlappen abgelegt geht es auch schon los. Im warmen Wasser liegend wird der Zuschauer erst von kunstvollen Videoinstallationen, Musik und schließlich von einer Sängerin umspielt.

Merkwürdig intim ist es anfangs nicht einfach sich auf diese ungewöhnliche Performance einzulassen. Einmal überzeugt wird es aber meditativ und berührend: eine auf jeden Fall einzigartige und empfehlenswerte Erfahrung.

SF

http://mediathek.m945.de/?podcast=bathtub-memory-project

Königliche Membranwerke - Nomictic Solutions

Von einem Bus am Bahnhof abgeholt geht es für die Besuchergruppe zur wunderschön über dem See gelegenen Villa Walberta, an weißgekleideten Mitgliedern der fiktiven Firma “nos” vorbei, die knöcheltief in künstlichen Teichen stehen und sich mit kurzen Tönen auf Tuba und Horn abwechseln. Man ist Teil einer großen, industriellen Masse, die mit einem Weißwein-Eiswürfel am Stiel begrüßt wird und erstmal den Nutzungsbedingungen zustimmen muss bevor es losgeht. Fast wie ein futuristisches Gesellschaftsexperiment à la Orwell.

Was nun in einer dreistündigen Performance folgt ist ein verwirrendes, sich ständig bewegendes Dekonstruieren von Sprache und Stimme. Die Sprechgesänge und kunstvoll unterbrochenen Soprantöne von Marie-Sophie Pollack verweben sich mit einem Klangteppich aus sich abwechselnden instrumentalen und stimmlichen Geräuschen.

Der Prozess bewegt sich dabei kontinuierlich weiter, nach Possenhofen durch die Häuser und schließlich mit dem Schiff aufs Wasser. Zusammen mit der beeindruckenden Kulisse einer untergehenden Sonne auf dem See, wird es schwer werden “Königliche Membranwerke” so schnell zu vergessen. Allerdings bleibt es auch genauso schwer bei so vielen bizarren und wirren Eindrücken die Grundgedanken des Spektakels wirklich zu verstehen.

VS
 
 
 

Portrait eines Künstlers als Toter

Die Frage die den Zuschauer nach: „Porträt eines Künstlers als Toter“ beschäftigt ist: Was von der Geschichte die ich gelebt habe war echt? Oder war alles nur erfunden?

Der Schauspieler Daniele Pintaudi trägt das Stück die gesamte Zeit über fast komplett alleine. Fesselnd erzählt er von seinen Erlebnissen und Erkenntnissen in der Wohnung eines argentinischen Schauspielers. Dieser verschwand während der NS Zeit plötzlich spurlos, als er zu einem ebenfalls auf mysteriöse Weise verschollenen jüdischen Komponisten recherchierte. Es geht um Abwesenheit, was bleibt wenn jemand verschwindet. Spannend und geheimnisvoll, einfühlsam und tragisch wird Bridarollis Leben und sein Schicksal Stück für Stück aufgedeckt...

Die Kulisse ist sparsam eingerichtet, die Regale voller Bücher, eine umgekippte Matratze, ein weißes Hemd auf dem Wäscheständer, ein altes Radio, dass sich manchmal selbst einschaltet, einzelne Notenblätter über den Boden verstreut. In der Ecke ein hölzernes Klavier. Der Schauspieler erzählt genau was er erlebt, was er tut, was er sieht – wie bei einem Hörspiel. Die Frage bleibt: ist alles Fakt oder Fiktion?

JM

http://mediathek.m945.de/?podcast=ein-portraet-des-kuenstlers-als-toter

Tonhalle

Direkt vor der Oper und dem Residenztheater steht sie: die „Tonhalle“, mit himmelblauer Fassade und stilechtem Säuleneingang. Gebaut von Giuseppe Reichmuth und inszeniert von Ruedi Häusermann findet hier eine “ musiktheatralische Selbstbehauptung“ statt, wie die Ankündigung verspricht.

Der kleine, beengte Raum, der durch Fenster mit dem ständigen Straßengeräuschen der Außenwelt verbunden ist, bietet den vier Musiker*Innen des Henosode-Quartett nur wenig Platz. Die Idee hinter der Performance: Eine ständige Interaktion zwischen Innen- und Außenwelt. Hier prallt progressive 12-Tonmusik auf Großstadtlärm. Durch die Vermischung von gewolltem und zufälligen Außenlärm ergeben sich immer wieder tolle Verschränkungen: etwa wenn auf den Boxen das Gemurmel einer Stadtführung abgespielt wird und gleichzeitig tatsächlich eine Touristengruppe vor der „Tonhalle“ steht und verdutzt hineineinschaut. Da fällt es fast schwer sich auf die tolle Musik des Henosode-Quartetts zu konzentrieren.

JA

http://mediathek.m945.de/?podcast=tonhalle

Bildergalerie
Bathtub Memorial Project
Platte des Monats

Auf den Ehrenplätzen der Rubrik „Wörter, die es nur im Deutschen gibt“ sitzt seit jeher die feucht-fröhliche „Schnapsidee“. Sie beschreibt treffend wie kein anderes Wort das, was entsteht, wenn drei befreundete Musiker*innen auf einer Geburtstagsparty einen über den Durst trinken und dann beschließen eine Band zu gründen. Aus einer solchen Schnapsidee wurde auch das Bandprojekt Phantastic Ferniture um Sängerin Julia Jacklin, das auf seinem gleichnamigen Debüt den Emotionsreichtum der Adoleszenz in leichtfüßig schwankender und wunderbar wärmender Gitarrenmusik feiert.

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M94.5 präsentiert
Montag, 13. August 2018
 
Sa/So, 08./09. September 2018
M94.5 Bühne @ Ludwigstr.
 
Munich Rocks!
Donnerstag, 18. Oktober 2018

 

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Die afk Familie

Miami, FL rapper Denzel Curry returns for his third full-length project entitled TA1300 (a.k.a. Taboo). His previous two albums Imperial and 32 Zel were both held in high regard, separating himself from the other SoundCloud rappers that he rose to stardom with. His explosive production and delivery were the main focus of his previous projects, and while TA1300 still contains these elements, this is his first album that is one cohesive project. The album has three separate parts, going from Light to Grey, then ending with Dark. Curry explains that he created the album as his creative emotions changed from lighter and happier sounds, to darker and melancholy.

Act 1: Light

Part 1, Light, touches upon serious topics as he raps to whomever the subject of the song is. "TABOO" covers sexual abuse, drug abuse, institutionalized violence, and societal taboos over genre-bending jazzy production. Part 1 is a lot more sing-songy than the Denzel Curry that we are used to, showing his versatility and artistic-depth by using his unique flow and lyricism over production that he usually strays away from.

The last song on Part 1, "SUMO", is a smooth transition from Light to Grey. The production on "SUMO" contains the explosiveness that you can find on his 2015 single, Ultimate, that brought Denzel’s name to light. "SUMO" contains typical SoundCloud rap themes of wealth and his superiority to other rappers, which differs from the other themes you find on Part 1 which slightly demeans the three-section theme of the album.

Act 2: Grey

The overall sound of Part 2 is similar to his previous albums that cemented Denzel’s one-of-a-kind style of boombastic production along with quick and choppy flows. Track 1 of Part 2, "SUPER SAIYAN SUPERMAN", reminds the listener of Curry’s origin as a Florida SoundCloud rapper. The flow and progression of the song is similar to tracks you would hear by other Floridian artists Smokepurpp, Lil Pump, or the late XXXTentacion. Even though Part 2 has similarities to his previous work, the tracks on TA1300 show Curry’s artistic evolution with a smoother delivery and catchier hooks.

Part 2 ends with "CLOUT COBAIN", the single-release of the album. This track focuses on the toxic environment modern-day rappers find themselves in. Curry raps about the lengths artist will go to gain clout and attention, whether it be through drugs or violence. Curry breaks the light to dark transition again in Part 2 with "SIRENS" ft. rapper J.I.D, as the overall sound of the song doesn’t exactly fit with the tracks around it. Somewhat of a nitpicky detail, but with an album that has very few shortcomings I feel it should be mentioned.

Act 3: Dark

However Part 3, Dark, is no disappointment in what I would imagine a Denzel Curry “dark” album to sound like. The production throughout the last four tracks are all bassy, cacophonic beats produced by FNZ and renouned SoundCloud producer, RonnyJ. The lyrics within Part 3 really put all of the album in perspective. Curry raps about the phoniness of the artists within his genre, but is confident in his role as a rapper that has already made a lane for himself. He embodies one of his “artistic aliases” in Part 3, referring to himself as “Zel.” Zel is Curry’s persona that breaks away from his rather serious self in Part 1 and 2. Zel is the explosive and cocky rapper that got Curry to where he is today, and his hubris shows when he flows as “Zel.”

All in all, TA1300 is an impressive project from start to finish that puts Denzel Curry’s name into the conversation of “Who is the best rapper alive?” Before this album, Curry was held in high regard solely due to his fast, explosive flows. Now, with his visions coming to life, everyone knows what Curry is capable of in terms of making a point with his music. Denzel Curry has blazed a trail for the youngest generation of rappers, and his artistic depth isn’t even done expanding yet.

I'm gonna live by my confidence, I'm gonna die by my arrogance

Heaven and hell is irrelevant, I be the black metal terrorist

BLACK METAL TERRORIST

 

Gesamtwertung: 4,5 von 5 Punkten.

TA1300 von Denzel Curry ist am 27.7.18 auf Loma Vista Recordings erschienen.