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M94.5 Theaterkritik

My Fair Lady

Quelle: © Marie-Laure Briane

Mit ganz viel Energie auf der Bühne: Nadine Zeitl als Eliza.

Der Musical-Klassiker kommt mit bayrischem Touch ans neu renovierte Gärtnerplatztheater. Geht das gut? Und wie!

Wer kennt sie nicht, die Geschichte des Blumenmädchens Eliza Doolittle, das in den Straßen Londons mit schnodderigem Gossenjargon Blumen verkauft, und Professor Higgins, Phonetiker und arroganter Macho erster Güte, der aus ihr für eine Wette eine feine Dame mit anmutiger Artikulation machen möchte. Ursprünglich auf Bernard Shaws Komödie „Pymalion“ beruhend, erntete das Stück schnell Begeisterung am New Yorker Broadway und wurde dort ganze sechszehneinhalb Jahre aufgeführt. Staatsindendant Josef E. Köpplinger hat sich des Stoffes nun von Neuem angenommen und ihn ein wenig an das bayrische Umfeld angepasst. So wurde aus dem ehemals englischen Cockney-Dialekt, den Eliza hat und der im Deutschen als Berliner Dialekt „übersetzt“ wurde, ein bayrischer Zungenschlag. Was in den ersten Minuten noch verwirrt, weil die Szenerie offensichtlich in England spielt, die Leute auf der Straße aber nicht so reden, als kämen sie aus Wales, sondern aus Bayern, löst sich schnell in Wohlgefallen auf. Schließlich muss man die sprachlichen Unterschiede irgendwie übertragen und das passiert hier auf unglaublich amüsante Weise.

Sonst bloos I dia an Pfeffa in Oasch!

Hingucker beziehungsweise Hinhörer des Abends ist eindeutig Nadine Zeintl als Eliza Doolittle. Sie spielt das freche Blumenmädchen mit den rotzigen Sprüchen, das plötzlich einfach in Professor Higgins' Arbeitszimmer steht und Sprachunterricht haben möchte, so charmant und mit so viel Leidenschaft, dass das Publikum immer wieder in Lachen ausbricht. Die Komik zeigt sich vor allem in den Dialogen mit Professor Higgins und dessen Freund Oberst Pickering, die durch ihren pointierten Witz zur allgemeinen Erheiterung beitragen. Michael Dangl als glühender Verfechter der Hochsprache und Friedrich von Thun als besänftigender Gegenpol überzeugen hier ebenso mit ihrer Darstellung. Höhepunkt des ersten Akts ist dann das Pferderennen, bei dem die gesamte feine Gesellschaft anwesend ist und getestet werden soll, ob Eliza ihre Rolle als Lady spielen kann. Ihr Bemühen, eingetrichterte Phrasen zu reproduzieren, und der immer wieder durchblitzende Dialekt führen zu herrlicher Situationskomik, die schließlich darin gipfelt, dass Eliza ihr Pferd mit dem Satz „Sonst bloos I dia an Pfeffa in Oasch!“ anfeuert und damit sämtliche Damen in Ohnmacht fallen lässt.

In der zweiten Hälfte fehlt die Spannung

Mit einem passenden Bühnenbild und wunderschönen Kostümen ist ein angemessener Rahmen für das Stück geschaffen. War jedoch der erste Akt temporeich, witzig und packend, fehlt im zweiten etwas die Spannung. Die Geschichte steuert der Feuerprobe des sprachlichen Experiments entgegen, als Eliza, Higgins und Pickering zum Ball aufbrechen. Dieser ist dem Zuschauer allerdings visuell nicht vergönnt, gezeigt wird lediglich der Aufbruch und die Rückkehr der Gruppe in Higgins‘ Haus. Des Weiteren bringen einige Tanzszenen rund um den Vater von Eliza, den Müllkutscher Alfred P. Doolittle, Längen in die Aufführung, welche es nicht gebraucht hätte. Insgesamt tut dies dem Abend jedoch keinen Abbruch. Mithilfe der beschwingenden Musik des Orchesters taucht man völlig in die Welt von „My Fair Lady“ ein und erwischt sich beim Verlassen des Theaters beim Weitersummen des bekannten Liedes „Ich hätt‘ getanzt heut‘ Nacht“. „My Fair Lady“ im Gärternplatztheater bietet einen kurzweiligen Abend mit einer leichten, unterhaltenden Geschichte und großartigen Darstellern. Reingehen lohnt sich.

„My Fair Lady“ ist noch ganze dreizehn Mal im Gärtnerplatztheater zu sehen; bis auf die Termine im Juni ist allerdings alles schon recht ausverkauft. Nähere Infos gibt es auf der Homepage des Gärtnerplatztheaters.  

Bildergalerie
Die feine Londoner Gesellschaft beim Pferderennen.
Eliza als feine Dame im Gespräch mit Higgins' Mutter.
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