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M94.5 Filmkritik

Leiser Ort, laute Gefühle

Quelle: © 2017 Paramount Pictures.

"Psssst!" Nur keinen Mucks!

Spannend, intensiv und ganz schön unheimlich: "A Quiet Place" verführt uns in eine postapokalyptische Welt, in der man nur schweigend überlebt.

Tippelnd huschen nackte Kinderfüße über den Boden eines verlassenen Supermarkts. Und jetzt größere Füße auf Zehenspitzen. Es herrscht absolute Stille. Nur feines Vogelgezwitscher durchbricht die drückende Stille. Ein kleiner Junge sieht in einem höheren Regal ein Spielzeug-Shuttle. Er greift danach, es entgleitet seinen Fingern, es fällt, wir erwarten Krach: Doch seine gehörlose Schwester wirft sich dazwischen und verhindert ein Geräusch. Innerhalb dieser kurzen, 2-minütigen Szene wird uns eins klar: Egal, was diese Menschen bedroht - durch Lärm wird es nur schlimmer.

Ein stumme Familie im Kampf ums Überleben

Die Familie, deren Namen man nie erfährt, ist eine der wenigen überlebenden einer nicht genauer beschriebenen Apokalypse. Wie man erfährt, ist leise zu sein die einzige Strategie zu überleben, denn die Wesen, die die Erde entvölkern, reagieren auf die leisesten Geräusche. Die Familie hat eine gute Überlebensstrategie, denn die Tochter ist gehörlos, und somit beherrschen alle Gebärdensprache. Doch als die Mutter abermals schwanger wird, überschlagen sich die Ereignisse: Die Familie muss nun wirklich darauf achten, keinen Mucks von sich zu geben.

Vom "Office" in die Apokalypse

Der eigentlich aus der US-amerikanischen Version der Serie "The Office" bekannte Schauspieler und Regisseur John Krasinski, der auch gleichzeitig den Vater spielt, legt hier einen Streifen vor, der intensiv, spannend und rührend zugleich ist. Intensive Farben, athmosphärische Bilder und wahnsinnige Animationen machen den Film zu einem besonderen Erlebnis. Doch den besonderen Reiz macht die Rolle der Stille aus. Irgendwann gewöhnt man sich so sehr an das Nicht-Vorhanden-Sein von Ton, dass man bei jedem kleinsten Ton erschrickt. Diese Umdeutung von Stille als die Rettung, und Ton als der Untergang intensiviert, wie wir den Film wahrnehmen. Das Einzige, was verwundert, ist, dass trotzdem eine sehr klassisch wirkende Filmmusik eingesetzt wird. Hier stellt sich die Frage, ob dort nicht andere Mittel angebracht gewesen wären.

Nichtsdestotrotz nimmt der Film einen auf eine ganz besondere Art und Weise mit. Es wird nicht versucht, Weltretter darzustellen oder überhaupt zu erklären, was passiert ist. Es geht einzig und allein um eine Familie in einem neuen Umfeld. Und da haben sie auch mit ganz trivialen Problemen zu kämpfen: Schuld, Pubertät, Liebe. Und während sie von etwas zutiefst Unmenschlichem gejagt werden, versuchen sie, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren. Und diese Menschlichkeit stellen die Darsteller/innen zutiefst glaubwürdig dar, Emily Blunt und John Krasinski als die bekannten Gesichter, aber auch die Kinderdarsteller glänzen mit einer schillernden Glaubwürdigkeit.

Ein Film für die etwas anderen Apokalypse-Freunde und ein Genuss für jeden, der mit so viel Stille zurechtkommt.

"A Quiet Place" kommt am 12. April 2018 in die deutschen Kinos.

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