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M94.5 Filmkritik

Kalendarsprüche in Serie

Autor(en): Raphael Altinger , Amelie Hörger am Mittwoch, 12. September 2018
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Quelle: © Wild Bunch Germany / Stephan Pick

Lars Eidinger als Bertold Brecht

Im Film "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" wird wild mit Brecht-Zitaten um sich geworfen, mit imposanten Kulissen und pointierten Dialogen.

"Der Haifisch, der hat Zähne - und die trägt er im Gesicht." Jeder kennt diese Zeile aus der berühmten "Moritat von Mackie Messer" aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht. Es ist eine Oper voll bissiger Gesellschaftskritik, Brüchen mit der Bühnentradition und der charakteristischen Musik von Kurt Weill. 1928 war die Uraufführung und das Stück wurde schnell zur beliebtesten deutschen Bühnenproduktion bis 1933. Kein Wunder, dass bald Stimmen laut wurden, die Oper zu verfilmen. Das ist sogar passiert, nur nicht nach den Vorstellungen Bertold Brechts, also zog er vor Gericht. Das war der sogenannte "Dreigroschenprozess".

"Erst kommt das Fressen, dann die Moral"

Jetzt ist er in den Kinos, der Dreigroschenfilm. Und er ist vor allem eines: Viel. Viel Text, viel Bild, viel Nachdenken. Er erzählt nämlich nicht nur die Geschichte des Kampfs zwischen Mackie Messer und dem Bettlerkönig Peachum mit seiner Unterschichten-Armee, sondern auch die Entstehungsgeschichte des Films, des Gerichtsprozesses und Ausblicke auf die heutige Zeit. Die Geschichten sind alle miteinander verwoben und manchmal verwirrend. Denn durch die verschiedenen Ebenen und Zeiten fällt es hin und wieder schwer zu verstehen, wo und wann man gerade ist.

"Wer A sagt, muss nicht B sagen. Er kann aus B erkennen, dass A falsch war."

Und doch macht der Film einfach einen riesigen Spaß. Mitreißende Bilder und ein starker Soundtrack sorgen für eine ganz spezielle Atmosphäre. Und die Schauspieler sind nachvollziehbar und charakterstark. Gekonnt führen sie uns durch die verschiedensten Filmebenen. Und davon gibt es viele. Die Schauspieler reden wie auf der Bühne davon, einen Film aus einer Oper zu machen, das Ganze wird uns dann wiederum in einem Film gezeigt. Wenn Blut gegen die Kamera spritzt oder Lars Eidinger als Brecht einen seiner Kalendersprüche bringt, und danach einen kurzen, verschmitzten Blick in die Kamera wirft, dann versteht man, um was es Brecht vielleicht wirklich ging: Dass uns bewusst ist, dass wir ihm und seinen Illusionen auf den Leim gehen, dass wir verstehen, welch starke Gesellschaftskritik dahinter steht. Und gleichzeitig ist es auch einfach nur seichte Unterhaltung. Diese Dualität macht den besonderen Reiz des Films aus und macht ihn zu einem einmaligen Erlebnis. Und wer sich mit dem Werk Brechts und der Dreigroschenoper so richtig gut auskennt, der wird wohl seinen größten Spaß haben. Alle anderen aber auch.

Der Film "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" kommt am 13. September 2018 in die deutschen Kinos.

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