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Don't look now

Was passiert eigentlich wenn Bücher ausgestellt werden, die man nicht anfassen kann, die man mehr oder weniger vorgelesen bekommt und wo sich Seiten umblättern ohne fertig gelesen zu sein? Die Platform 3 zeigt dieses Experiment der Künstlergruppe "Edition Taube" seit heute in ihren Räumen an der Kistlerhofstraße.

Öffnet man den Flyer der Ausstellung, erwartet einen erst mal eine große Überraschung. Hinter lilafarbenen Papier, auf das in roten Lettern geschrieben steht "Don`t look now", verbirgt sich ein zweiseitiger Spiegel. So stößt man erstmal auf sein Spiegelbild. Was es damit auf sich hat, erklären die Jungs von "Edition Taube" folgendermaßen: "Der Spiegel war natürlich nicht als Spiegel an sich gedacht, sondern erst mal als reflektierende Fläche. In der Ausstellung geht es um Projektion, wir projizieren Bücher. Und die Frage war passend zum aktuellen Programm der Platform 3, was passiert eigentlich wenn wir Bücher ausstellen, die man nicht anfassen kann, die man mehr oder weniger durch die Projektion vorgelesen bekommt und wo man nicht eingreifen kann. Wir entmündigen eigentlich den Buchleser und schauen was dabei passiert. Also der Buchleser kann nur zuschauen oder eben nicht".

This is a book. This is a Text. This is a projection.

Das Wort "Entmündigung" klingt in diesem Fall härter als es ist. Betritt man die Ausstellung und lässt seinen Blick durch den Raum streifen, bleibt dieser sofort unweigerlich bei der Installation hängen. Man betrachtet eine Fläche, auf der buchartige Objekte liegen. An der Decke befinden sich drei HD-Beamer. Und dann geht es los: Klug gewählte Texte aus zahlreichen literarisch wichtigen wie bekannten Werken, wechseln sich mit 3D-ähnlichen Bildern ab. Der Blick springt. Links, rechts, nach oben, nach unten. Wo ist der Text hin, den ich eben noch lesen wollte? Der Betrachter der sich auf diese "Entmündigung" einlässt, hat viel zu entdecken. Die Installation ist gelungen und man kann sich an diesem frohlockenden Farbenspiel und den wechselnden Texten kaum satt sehen.

Gedruckt ist halb gewonnen...

Aber selbst diejenigen, welche dieses Spiel nicht mitspielen wollen, kommen bei diesem farbenfrohen Augenschmaus auf ihre Kosten. Wer genug von den springenden Textpassagen hat, dem bietet "Don´t look now" die einmalige Möglichkeit, auch die gedruckten Werke der "Edition Taube" genauer unter die Lupe zu nehmen. Einmalig, weil viele der Bücher aus bereits vergriffenen "Limited Editions" stammen. Die ausgestellten Bücher laden zum Verweilen ein, und so blättert man sich beispielsweise auf den Spuren der Künstler durch Deutschland, oder schmunzelt bei "Confessions of a Poor Collector".

Drei Freunde und ein Perspektivenwechsel

Mit sehr viel Fleiß und Liebe zu diesem Projekt haben die drei Freunde, die inzwischen in Stuttgart, Berlin und Paris leben, ihre Werke zusammengetragen und Raum zum Abtauchen geschaffen. Die Jungs von "Edition Taube" erlernten alle drei den Beruf des Gestalters und sehen sich selbst als Schnittstelle zwischen Literatur und Kunst. Mit dieser Ausstellung bewegen sie sich weg von gestalterischen, verlagstechnischen Arbeitsbereichen, einen Schritt mehr hin zur Kunst. Dieser Perspektivenwechsel ist gleichermaßen spannend, wie auch gelungen.

Beim nächsten Mal bitte mehr davon!

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