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"Die Bucht der Dicken Kinder"

Autor(en): Nathalie Claus am Freitag, 8. März 2013
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Quelle: Christine Fenzl
Dick ist schön. In der heutigen Gesellschaft, mit Fitness-Abos, Mode-Katalogen und der hundertsten Brigitte-Diät, klingt das erstmal befremdlich. Genau das möchte „Die Bucht der Dicken Kinder“ im Schwere Reiter München jetzt aber ändern.

Der Weg ins Schlaraffenland beginnt appetitlich: Wer einen Sitzplatz möchte, muss erst an der Nutella-Schranke vorbei – Ein überdimensionales Glas Nutella mit Löffeln für alle, damit auch ja niemand reinkommt, der zu dünn ist. Die „Bucht der Dicken Kinder“ soll Zufluchtsort sein, um sich außerhalb strikter Konformität endlich wieder mit sich selbst wohlzufühlen.
Die Bewohner der pazifischen Insel sind alle dick – Essen gern und viel, genießen ihr Leben, krönen das dickste Kind zum König. Auf diese heile Welt treffen nun zwei Touristen aus der 'Realität'; beide dünn und von gesellschaftlichen Normen zum Fasten erzogen. Diese Spannung zwischen Dick und Dünn treibt das Stück voran.

Wo alles begann

Die Ursprungsidee kam der Autorin und Regisseurin Cora Frost dabei durch ein ganz persönliches Erlebnis. Sie hatte ihre Schwester in Schweden besucht und war mit ihren Nichten und Neffen auf einem der Seen bei Gewitter Ruderboot gefahren. Unterschlupf fanden sie in einer Bucht. In dieser tummelten sich ausschließlich Kinder – alle dick und fröhlich. Das habe sie als Paradies erlebt.

Vom Feiern des Körpers

Nach einem etwas zähen Start entfaltet sich dieses Paradies in Tanz und Musik. Es gibt keine Trennung zwischen musikalischer Darbietung und Dialog. Manchmal übernimmt einfach eine Erzählerstimme das Gesprochene und Schauspieler bewegen sich stumm als Pantomimen dazu. Verschiedenste Musikstile, sowohl vom Band, als auch live gesungen, machen die Bucht lebendig. Dabei wird bewusst auf dick machende Körperanzüge verzichtet und die Einwohner lieber mit echten Dicken besetzt – Und das wirkt, wenn man merkt, dass sich die Schauspieler einfach wohlfühlen in ihren Körpern.

Hier soll 'Dicksein' nicht als Problem dargestellt werden; vielmehr möchte man aufzeigen, dass Schönheit in der Vielfalt von Körperformen liegt. Diese Perspektive ist sonst selten; und gerade eine solche Thematisierung schätzt die dramaturgische Beraterin Angelika Fink am Projekt.

Konsumkritik und interaktives Theater

Neben dem Konflikt zwischen Dicken und Dünnen wird auch ordentlich die Konsumgesellschaft lächerlich gemacht. Das gerät an manchen Stellen etwas plump, zum Beispiel wenn einer der dünnen Touristen plötzlich alle Kleider abstreift und nach Befreiung vom System ruft – An anderer Stelle sorgt es für ehrliche Lacher.
Dicke und Dünne finden einander abwechselnd befremdlich, liebenswert oder verdächtig. Dabei wird immer wieder auf Integration der Zuschauer gesetzt, direkt angesprochen, zum Festessen eingeladen. Laut Frost ist genau das eine Stärke des Stücks: „Jeder kann sich in das Stück einbringen, das ist wie ein Traum. Man kann sich mit jedem identifizieren, überall wiederfinden. Ich glaube, das ist ein Stück, in dem man auch viel Platz hat für sich selbst.“

Auf ins Land der Dicken - Ein Plädoyer für Zusammenhalt

Wo lebt sich's nun besser, im Paradies oder in der Realität? Am Ende steht keine eindeutige Antwort. Das Stück plädiert für die Überbrückung von Grenzen und ein Leben miteinander, unabhängig von Gewicht und Körpervolumen. Wo genau man sich hier selbst einordnet, bleibt aber jedem Zuschauer selbst überlassen.

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