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Die Brunft - Theater im Club

Autor(en): Adrian Sölch am Donnerstag, 8. Mai 2014
Quelle: hannes_rohrer

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Die Brunft ist ein Begriff aus dem Jagdjargon und beschreibt die Paarungszeit wilder Tiere. Um Tiere geht es in diesem ungewöhnlichen Theaterprojekt allerdings nicht.

 

Die Brunft ist ein Begriff aus dem Jagdjargon und beschreibt die Paarungszeit wilder Tiere. Um Tiere geht es in diesem ungewöhnlichen Theaterprojekt allerdings nicht. 

 

Das Münchner Kollektiv „WhatYouSeeIsWhatYouGet“ kämpft für einen offenen und freien Zugang zum Theater, weg vom statischen zuschauen, weg von der sicheren Distanz zwischen Bühne und Publikum, hin zum aktiven Teilnehmen am Geschehen. Dieser Ansatz spiegelt sich schon bei der Location wieder. „Die Rote Sonne“ ist schließlich kein altehrwürdiges Theater, sondern ein Club. Und so gibt es beim Einlass auch gleich laute und elektronische Musik auf die Ohren. Es wird sich locker unterhalten, fast jeder hat ein Bier in der Hand und viele Leute sitzen einfach auf dem Boden. Aber ganz so angenehm und entspannt bleibt die Stimmung nicht. Als ein Moderatorenduo die Bühne betritt, wird schnell klar, jeder hier im Raum ist für die Länge dieses Stücks automatisch Teilnehmer eines Workshops, ob er nun will oder nicht.

 

„Wer von euch ist denn, was Pickup angeht, noch blutiger Anfänger?“

 

Plötzlich werden Frauen nur noch als Target bezeichnet, die es zu „approachen" gilt. Man wird mit einem ganzen System von Begrifflichkeiten vertraut gemacht, die alle darauf abzielen eine Frau abzuschleppen. „Bring deinen Opener! Dann baue Attraction auf! Push und Pull hilft immer!“ Immer wieder wird das Publikum mit einbezogen, weiblichen Zuschauern werden Fragen gestellt, männliche auf ihren Style analysiert. Sogar die Pausen werden nicht als solche angekündigt. Sie dienen als Übungszeit die neu gelernten Tricks anzuwenden. Was dabei harmlos und beschwingt beginnt, entpuppt sich im Verlauf des Stücks immer mehr zu einem frauenverachtenden Machtspiel. Leider ist das alles weit weniger fiktiv, als man zuerst glauben mag, denn PickUpCommunities gibt es wirklich. 

 

„Schaffe eine sexuelle Umgebung, aber völlig frei von Druck. Advanced Seduction: das ultimative Mindgame!“

 

PickUpArtists schreiben über ihre Erfahrungen in Foren, treffen sich Abends um gezielt Frauen aufzureissen und besuchen Seminare, die für zwei Tage gerne auch mal 500 Euro kosten. Der pseudowissenschaftliche Überbau untermauert dabei Thesen die Frauen zu reinen Objekten der Begierde machen. 

„Es sind ganz nachvollziehbare Ängste, die viele Jungs in diese Szene  treiben. In unserer Gesellschaft funktioniert oft einfach das Miteinander nicht mehr.“, erzählt uns Antonia  Biermann, die Regisseurin von „Die Brunft“. Sie hat sich bei den Dialogen viel auf echtes Recherche-Material gestützt. Ganze Passagen sind wortwörtlich aus den Chatverläufen der Community übernommen. „Wir waren sogar mit versteckter Kamera unterwegs und haben Mädchen approached. Es ist merkwürdig, aber das klappt ganz gut mit diesem System.“ 

 

„Stranger! Hast du Lust auf Veränderung?“

 

Und genau darin liegt auch die Stärke von dem Stück. Gerade zu Beginn ist man beinahe gewollt, sich den ein oder anderen Anmachtipp zu merken. Erst ganz langsam zeigt sich, wie gruselig diese Methodik eigentlich ist. Man fühlt sich als Zuschauer gleichzeitig angeekelt und ertappt. So wird es einem unmöglich gemacht, die Distanz zu wahren. Der Club funktioniert als Location perfekt, er ist gleichzeitig Aufführungsort und Schauplatz. Und so ernst die Thematik auch sein mag, es wird sehr viel gelacht, denn das Ensemble bewahrt sich immer ein Augenzwinkern. Und so gelingt, was andere moderne Aufführungen mit ernster Thematik manchmal vermissen lassen: Unterhaltung mit Anspruch.

 

Das Stück "Die Brunft" läuft noch vom 11. bis zum 13. Mai. Einlass 20:00 Uhr. Eintritt 15 Euro, bzw. 10 Euro für Studenten.

 
 

 

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