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M94.5 Filmkritik

Der Buchladen der Florence Greene

Quelle: © Capelight Pictures / Lisbeth Salas

Florence Green und Violet Gamart

Der Versuch von Emanzipation in einer konservativen Umgebung und die Liebe zur Literatur werden zu einem nichtssagenden Historiendrama.

Das klingt zwar nach einem harten Urteil, aber leider gelingt der Regisseurin Isabel Coixet mit ihrer Adaption von Penelope Fitzgeralds Roman "Die Buchhandlung" absolut keine Meisterleistung.

Dabei birgt die Handlung doch so viele Möglichkeiten, etwas Ausdrucksstarkes zu schaffen: Die Witwe Florence Green (Emily Mortimer) zieht Ende der 50er Jahre in ein verschlafenes Küstendorf im Osten Englands. Mit ihrem verstorbenen Mann hat sie vor seinem Tod besonders die Liebe zur Literatur geteilt und genau aus diesem Grund beschließt sie, einen kleinen Buchladen in der eher konservativen Gesellschaft von Hardborough zu eröffnen.

Doch ihr Ort der Literatur und des freien Denkens stößt nicht überall auf Begeisterung. Schnell wird klar, dass die angesehene Violet Gamart (Patricia Clarkson) alles versucht, um den Buchladen in den Ruin zu treiben. Lediglich der zurückgezogene Mr. Brundish unterstützt die junge Frau.

Ungenutzte Möglichkeiten

"Der Buchladen der Florence Green" wäre zum Einen nicht nur eine Möglichkeit, die Liebe zur Literatur und deren Art des Geschichtenerzählens zu vermitteln - sondern auch die Emanzipation einer Frau in einer äußerst konservativen und befangenen Kleinstadtgesellschaft zu zeigen. Stattdessen entscheidet sich Isabel Coixet für flache und statische Charaktere, die kaum Raum zur Entwicklung haben. Anstelle des durch eine Off-Stimme versprochenen Muts der Hauptfigur, ist diese eher damit beschäftigt, melancholisch an Büchern zu riechen und über die Buchrücken zu streicheln. Auch die Gegenspielerin Violet Gamart kommt mit ihrer eingefroren, bitteren Mimik nicht über ihre Kategorie der Bösen hinaus.

Nur der ruhige Mr. Brundish schafft ein paar wenige und kurze Momente mit Florence Green, die nicht ganz so  versteift wirken. So sind die Gespräche zwischen den beiden Figuren gefüllt mit Inhalt und ein kleiner Eindruck von der Liebe zur Literatur wird vermittelt.

Kritik an Biederkeit wird Biederkeit

Penelope Fitzgerald kritisiert mit ihrer Figur Florence Green in ihrem Roman die festgefahrene und biedere Kleinstadtgesellschaft und schafft mit dem Buchladen einen Raum des freien Denkens und der Emanzipation. Doch in der Filmadaption bleibt davon nicht wirklich viel übrig. Der Look der 50er wird zwar mit Kostüm und Requisite schön wiederhergestellt, doch fehlt es an Individualität und Kreativität. Stattdessen strahlen die Figuren in ihren Kleidchen und die holzverkleideten Wohnzimmer eher einen klassischen Historienfilm-Look aus. Im Gesamten wirkt vieles recht eingefahren und so wird die Kritik an dem verstaubten Konservatismus selbst zu einer biederen Szenerie.

"Der Buchladen der Florence Greene" ist ab 10. Mai 2018 im Kino zu sehen.

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