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(K)ein Recht auf Liebe?

Quelle: Quirin Leppert

Lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe dafür, dass man sich in die falsche Person verliebt hat? Bei uns unvorstellbar, doch in vielen Ländern werden Homosexuelle so behandelt.

Um dieses Thema geht es auch in dem Film "Call me Kuchu", mit dem am Sonntag die Dokumentarfilmreihe Best.Doks eröffnet hat. Anlässlich des fünften Geburtstages des Best.Doks Festivals zeigen das Arri Kino und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einen Monat lang ausgezeichnete Dokumentarfilme zum Thema Menschenrechte.

Homosexualität in Uganda

"Kuchu", so nennt man Homosexuelle auf Luganda, der Landessprache in Uganda. Seit Jahren kämpfen dort Homosexuelle um ihre Rechte und gegen ein Gesetz, das die Todesstrafe für HIV-positive schwule Männer fordert. Direkt ins Geschehen, zu den Mitgliedern der Menschenrechtsorganisation "Sexual Minorities Uganda" (SMUG), bringt der Film. Allen voran: der erste ugandische Schwulenaktivist und Sprecher der Organisation, David Kato. "Call me Kuchu" bewegt und lässt einen mit den Mitgliedern von Sexual Minorites Uganda mitzittern. Mit dem lesbischen Mädchen, das von einem Mann vergewaltigt wird, um sie wieder "zurecht zu biegen". Mit anderen, die von den lokalen Medien als homosexuell "ausgestellt" werden und mit bösartigen Mord- und Hetzkampagnen verfolgt werden. Nach langem Kampf gelingt den Aktivisten Anfang 2011 endlich der Sieg vor Gericht gegen das Gesetz zur Todesstrafe für HIV-positive Schwule. Doch die Freude ist nicht von Dauer. Drei Wochen später wird Aktivist David Kato brutal ermordet.

Human Rights Watch kämpft um LSBT-Rechte

Boris Dittrich arbeitet für die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Dort ist er Advocacy Director für LSBT-Rechte; die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen. Vor fünf Jahren hat er David Kato persönlich kennen gelernt. Der Aktivist hatte ihn nach Uganda eingeladen, in der Hoffnung, Dittrich könnte mehr bewirken bei den örtlichen Behörden.

"2008 lud mich David Kato nach Uganda ein, um mit der Regierung über Homophobie zu sprechen. Ich kam in Kampala an und David stellte mich den Mitgliedern von SMUG vor. Ich hatte die Möglichkeit, mehrere Minister der ugandischen Regierung zu treffen, und versuchte, mit ihnen über die Einhaltung von Menschenrechten zu sprechen, versuchte, ihnen klar zu machen, dass LSBT-Rechte auch Menschenrechte sind, und dass Menschenrechte universell und genauso für Lesben, Schwule und Transsexuelle gelten. Leider waren die Minister, mit denen ich gesprochen habe, nicht sehr empfänglich für die Nachricht. Große Teile der ugandischen Gesellschaft verstehen Homosexualität nicht als ein Menschenrecht, sondern als eine bedeutsame Krankheit, die behandelt und aus der Gesellschaft geschafft werden sollte."

Anti-Homosexualitäts-Gesetz erneut in Diskussion

Vor kurzem wurde der Gesetzesentwurf gegen Homosexualität in Uganda erneut dem Parlament vorgestellt. Und diesmal sieht es nicht gut aus.

"Das Anti-Homosexualitäts-Gesetz beinhaltet eine Klausel, die die Todesstrafe für Homosexuelle fordert. Eine weitere Klausel verlangt, dass man homosexuelle Menschen, die man persönlich kennt, innerhalb von 24 Stunden meldet. Das heißt, eine Mutter oder ein Vater, die wissen, dass ihr Kind schwul oder lesbisch ist,  sollen ihr eigenes Kind der Polizei melden! Wenn man das innerhalb von 24 Stunden nicht tut, kann man als Eltern eine Gefängnisstrafe von drei Jahren bekommen. Im Dezember letzten Jahres wurde das Gesetz erneut vorgestellt und diese Tage wird darüber diskutiert. Wie auch der Film gezeigt hat, sind die meisten Parlamentsmitglieder für das Gesetz. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass es angenommen wird."

Die Rolle der Religion in Afrika

Eine besondere Rolle bei dem Thema Homosexualität spielt in Afrika die Religion. Oft wird argumentiert, dass Gott Mann und Frau geschaffen hat, um sich fortzupflanzen, und dass gleichgeschlechtliche Liebe unnatürlich sei. "Vor allem in Uganda ist die Kirche stark gegen Homosexualität. Um über die Menschenrechte in Uganda zu diskutieren, wurde ich vor einigen Jahren sogar in den Vatikan eingeladen. Daraufhin sprach sich die katholische Kirche in Uganda gegen das Anti-Homosexualitäts-Gesetz aus. Laut dem neuen Gesetz müsste allerdings sogar ein Priester, der in der Beichte von einem Homosexuellen erfahren hat, diese Person der Polizei melden."

3 Jahre Gefängnis für eine SMS

"Von den 193 Mitgliedsstaaten der UN kann man in 76 für Homosexualität verurteilt und ins Gefängnis geschickt werden. In Kamerun zum Beispiel gab es letztes Jahr einen jungen Mann, der sich in einen anderen Mann verliebte und ihm eine SMS schrieb, dass er ihn liebt und ihn wiedersehen möchte. Daraufhin wurde er festgenommen, und der Richter hat ihn ins Gefängnis gesteckt. Er hat eine 3-jährige Gefängnisstrafe bekommen dafür, dass er eine SMS mit den Worten 'ich liebe dich' geschickt hat. Sein Anwalt erhielt ebenfalls Drohungen, nur weil er einen homosexuellen Mann vertritt. Er bekam Fotos von seinen Kindern, wie sie zur Schule gingen, mit der Nachricht 'wir werden deine Kinder töten'. Deshalb mussten sie aus dem Land fliehen. Er ging zur Polizei in Kamerun und bat um Hilfe, aber die Polizei hat nichts getan. Das heißt, wenn man eine Liebesbotschaft schickt, endet man für drei Jahre im Gefängnis, und wenn man eine Hassbotschaft, eine Todesdrohung schickt, passiert nichts."

Gleichgeschlechtliche Ehe als Inspiration

"Die Gleichberechtigung der Homosexuellen-Ehe ist ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ich war Parlamentsmitglied in den Niederlanden und stellte das erste Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe weltweit vor. 2001 wurden die Niederlande zum ersten Land auf der Welt, in der es eine Gleichheit bei der Ehe gibt. Man hört oft, dass das nur ein Land ist und dass dieser Fall überhaupt keinen Einfluss auf den Rest der Welt hat. Jetzt sehen wir, dass mehr als zehn andere Länder nachgezogen sind und ebenfalls die Gleichberechtigung der Ehe eingeführt haben. Frankreich, Großbritannien, Uruguay und Neuseeland werden die Nächsten sein. Was mir auffällt, wenn ich mit Menschen in Afrika spreche - und in Afrika denken die Menschen natürlich nicht an die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe, sondern sie wollen nicht ins Gefängnis gesteckt, nicht gefoltert werden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung - es inspiriert sie! Es inspiriert sie wirklich sehr, denn plötzlich wird ihnen klar: Wir sind keine Kriminellen, wir sind Menschen! Und wir gehören in die Gesellschaft wie jeder andere!"          

Was kann der Einzelne tun?

"Jeder Einzelne kann etwas verändern. Das Wichtigste wäre, wenn man in der Schule, der Universität, der U-Bahn oder der Arbeit ist und jemand eine homophobe Bemerkung macht, aufzustehen und etwas zu sagen! Sag, 'Ich akzeptiere das nicht, das ist intolerant. Ich bin für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung!' Es ist so wichtig, seine Meinung zu sagen und ein Beispiel für junge Menschen zu sein. Ich weiß, dass es viele junge Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle dort draußen gibt, die sich einsam fühlen. Für sie ist es unglaublich wichtig zu wissen, dass es Andere gibt, die sich geoutet haben und die für sie kämpfen, um ihnen gleiche Rechte zu geben."

Noch bis zum 17. März zeigt das Arri-Kino jeden Sonntag um 11.30 Uhr einen Film rund um das Thema Menschenrechte. Mehr Informationen über die Dokumentarfilmreihe Best.Doks und das Programm gibt es auf www.bestdoks.de.

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