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EBOW im Interview

„Nichts machen, nur weil es hip ist"

Quelle: M94.5 / Gloria Grünwald

EBOW im Münchner Volkstheater

Die Rapperin EBOW ist ein echtes Münchner Kindl. 2017 hat sie ihr zweites Album Komplexität gedroppt. Wir haben sie vor ihrem Konzert in München getroffen.

Dein aktuelles Album heißt „Komplexität". Warum ist das so? War früher alles besser... oder weniger komplex?

Nein. Auf dem Album ist all das drauf, was mich sehr beeinflusst hat. Wir haben Samples von Baba Zula, die so psychedelische 70er Jahre Musik machen, drauf, dann gibt es 90s Elemente, es gibt housige Sachen. Auch von der Komposition her ist es einfach eine Kombi aus allem, was mir gut gefällt. Ich finde es auch wichtig, dazu zu stehen, und nicht irgendwas zu machen, nur weil es hip ist. Ich hätte jetzt auch ein Afro Trap Album machen können, aber ich glaube, dass Alben besser altern, wenn man sie aus den Elementen zusammen setzt, die einen selbst geprägt haben.

Du bist als Tochter von Migranten in München aufgewachsen und lebst mittlerweile in Wien in Österreich. Auf deinem Album setzt du ein klares Statement gegen eine Politik der Obergrenze. Die neue Regierung aus ÖVP und FPÖ möchte in Österreich in Zukunft eine noch strengere Flüchtlingspolitik durchsetzen. Wie erlebst du gerade die Stimmung in Wien und was löst das bei dir aus?

Das Traurige ist eben, dass nicht Wien ganz Österreich ist. Die Leute in Wien wollen diese Regierung nicht, ich will diese Regierung nicht, niemand will diese Regierung dort. Aber Österreich besteht nunmal nicht nur aus Wien, so wie die Türkei nicht nur aus Istanbul besteht. In Wien war letztens erst ne Demo mit Omis die auf die Straße gegangen sind - die waren dann so „Omas gegen Rechts" - die haben sich Sachen gestrickt, wo das drauf stand. Es waren Familien mit Kindern auf den Straßen und haben mit demonstriert, die Straßen waren voll! Es ist auf jeden Fall eine krasse Stimmung gerade in Wien - hoffentlich ist es in den anderen Städten bald auch so.

Du hast in Wien auch bei dem Hip Hop Event für Frauen Femme DMC mitgemacht. Findest du, sowas muss es öfter geben - also Veranstaltungen nur für Künstlerinnen?

Auf jeden Fall! Vor allem Veranstaltungen, die so Safe Spaces schaffen. Es geht auch darum, auch mal auf 'ne Hip Hop Party gehen zu können, ohne dass du irgendwie angemacht wirst, oder wo es darum geht, dass alle durch die Gegend hüpfen. Ich finde Veranstaltungen von Frauen für Frauen sehr wichtig. Oder auch für non-binäre Leute, für Transgender People. Es gibt diese Spaces noch nicht. Wenn du, sagen wir, als Transgender Frau in einen Standard Hip Hop Club hier gehen würdest, erntest du halt sofort böse Blicke und du fühlst dich unwohl. Und wir müssen vor allem in unserer jetzigen Zeit Plätze schaffen, wo das möglich ist, dass du ausgehen kannst, Spaß haben kannst, ohne dass du dir was Blödes geben musst.

EBOWs zweites Album „Komplexität" ist am 17.11.2017 auf Problembär Records erschienen.

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