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Doktortitel für Dummies

Autor(en): am Montag, 21. Februar 2011

In einem Promotionsverfahren verleihen deutsche Universitäten den Doktortitel als höchsten akademischen Grad für eine besondere wissenschaftliche Leistung. Kernstück ist eine in der Regel mehrere hundert Seiten lange Dissertation. Grundvoraussetzungen sind ein überdurchschnittliches Examen und ein Doktorvater, der das Projekt betreut. Guttenbergs "Plagiat-Dissertation" ist momentan in aller Munde. Aber was macht eine Doktorarbeit überhaupt aus? Wir haben nachgefragt bei einem, der es wissen muss.

In einem Promotionsverfahren verleihen deutsche Universitäten den Doktortitel als höchsten akademischen Grad für eine besondere wissenschaftliche Leistung. Kernstück ist eine in der Regel mehrere hundert Seiten lange Dissertation. Grundvoraussetzungen sind ein überdurchschnittliches Examen und ein Doktorvater, der das Projekt betreut.

Prof. Dr. Edgar Grande, Lehrstuhlinhaber des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft, sieht Doktorarbeiten im Vergleich zu Semester- und Hausarbeiten als Nachweis der eigenständig erbrachten, wissenschaftlichen Arbeit und Originalität:

"In der Regel bedeutet besagte Originalität, etwas Neues zu tun, oder auch bereits Vorhandes mit eigenen Ideen neu zu interpretieren. Auf Grund der eigentlich üblichen laufenden Betreuung und Kontrolle durch den Doktorvater sind Plagiate bei Doktorarbeiten normalerweise recht unwahrscheinlich und selten. Bei Arbeiten, die im Rahmen des Studiums entstehen, treten jedoch bei bis zu 20-30% der Studenten Plagiate auf."

Karrieredoktor oder Wissenschaft

Etwa 25.000 neue Doktoren kommen jedes Jahr dazu. Die meisten, d.h. neun von zehn Promovenden, streben allerdings nie eine wissenschaftliche Karriere an oder entscheiden sich gegen eine Laufbahn auf dem Campus. Für sie zählen lediglich die positiven Auswirkungen eines Doktortitels auf Einkommen, Karrierechancen oder einfach das Sozialprestige. Auch Guttenberg hatte keine wissenschaftliche Karriere im Sinn: Er saß längst im Bundestag, als er seine Doktorarbeit einreichte.

Dieses „Promovieren in eigener Sache“ hält Prof. Grande jedoch keinesfalls für bedenklich:

„Nicht jeder, der sich durch wissenschaftliches Arbeiten qualifiziert, muss auch in die Wissenschaft gehen. Entscheidend ist nur, dass bei der Promotion selbst die wissenschaftlichen Kriterien erfüllt und angewandt werden. Selbst wenn man wollte, die Universitäten könnten gar nicht alle Doktoranden einstellen. Außerdem leben viele Fächer davon, dass sie externe Doktoranden haben. Und besonders für Rechtsanwälte oder Mediziner dient der Doktortitel auf Visitenkarte und Türschild als Leistungsnachweis.“

Nach Annahme der Dissertation durch die Fakultät beziehungsweise durch eine von ihr eingesetzte Kommission und der Einholung von Gutachten erfolgt eine mündliche Prüfung (Rigorosum) und/oder ein wissenschaftliches Streitgespräch (Disputation), das oft das Thema der Dissertation zum Gegenstand hat.

290 US-Dollar für den "Doctor of Immortality"

Diese mündliche Verteidigung einer Doktorarbeit ist in aller Regel öffentlich und wird vor Hochschullehrern und gegebenenfalls Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens abgelegt. Die Bezeichnung „Dr.“ darf ein Doktorand in Deutschland in der Regel allerdings erst dann führen, wenn er die Publikation seiner Doktorarbeit nachgewiesen hat. Wem es übrigens zu anstrengend ist, jahrelang an seiner Dissertation herumzudoktern, für den gibt's ja immer noch doktortitel.net. Da kann man sich für läppische 290 US-Dollar mit dem "Doctor of Immortality" unsterblich machen.

Platte des Monats

„Einmal alles bitte!“ So ungefähr könnte man sich das Album von Oneohtrix Point Never im Plattenladen des Vertrauens bestellen. Stilbrüche sind das eine, aber einen einzigen Song aus verschiedensten Genres zusammenzustückeln, das andere. Und genau das macht sich Oneohtrix Point Never zu nutze, um Musikliebhaber für sich zu gewinnen oder zu verwirren. Unsere Redaktion ist zwar verwirrt, aber das im ganz positiven Sinn. 

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