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125 Jahre Rechtschreibung

Die Ortografie der Orthographie

Autor(en): Frauke Seeßelberg am Freitag, 17. Juni 2011
Hey, wie geht's? Oder doch: Hej, wie gehts? Die Verwirrung beim richtigen Schreiben ist groß. Das liegt vor allem an der Rechtschreibreform von 1996 -  behaupten manche. Doch was hat es mit Rechtschreibreformen auf sich? Muss jeder richtig schreiben? Und wie kommt man eigentlich in den Duden?

"Eine Rechtschreibreform ist eine mehr oder weniger eingreifende Änderung der Rechtschreibung einer Sprache" - das besagt zumindest die Definition von Wikipedia.
In Deutschland hat alles 1876 in Berlin angefangen, also vor 125 Jahren,  mit der "Konferenz zur Herstellung größerer Einigung auf dem Gebiet der deutschen Orthographie", der sogenannten I. Orthographischen Konferenz. Doch da die Einigung dort offenbar noch nicht groß genug war, fand noch eine II. Orthographische Konferenz im Jahr 1901 in Berlin statt,  diesmal unter dem Titel "Beratung über die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung". Dabei wurden schon erste Reformierungen durchgeführt: Das th wurde in Wörtern wie That oder Fürstenthum durch ein einfaches t ersetzt und dem c ging es in vielen Fremdwörtern an den Kragen, indem es durch ein k ersetzt wurde. Die neueste und vermutlich umstrittenste Rechtschreibreform fand 1996 statt. Ziel war es eigentlich, die Regeln von 1901 der Zeit anzupassen sowie komplizierte Regelungen zu vereinfachen. Doch dass die neue Reform eine Vereinfachung darstellte, fanden nur wenige. Aufgrund des hohen Widerstands in der Bevölkerung wurde die Reform deshalb 2004 und 2006 überarbeitet.
Doch nicht nur Reformen prägen die deutsche Sprache, sondern auch Wörterbücher tragen dazu bei. 1880 leistete Konrad Duden Pionierarbeit, indem er das "Vollständige orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache - Nach den neuen preußischen und bayrischen Regeln" erstellte und veröffentlichte. Seitdem ist der Duden eines der Standardwörterbücher der deutschen Sprache. Alle 4 bis 5 Jahre erscheint eine neue Ausgabe, die auch die neuesten Wortschöpfungen deutscher Sprache enthält, sowie teils kuriose Schreibweisen von Fremdwörtern.
Zur ersten Kategorie gehören wohl zweifelsfrei Wörter wie "werweißen", was so viel wie hin- und her raten bedeutet, oder "hirnen", was man synonym zu nachdenken verwenden kann. Ob das hohe deutsche Schriftsprache ist, ist eine andere Frage. Wer Mayonnaise gerne schreiben möchte, wie man's spricht, findet das auch im Duden: Majonäse heißt die Salatcreme dann, oder Salatkrem, wie man sie auch schreiben könnte.
Interessant ist auch, dass deutschsprachige Länder Regeln für Rechtschreibung und Sprache erlassen dürfen, diese aber nicht für alle Bürger verpflichtend sind. Doch freut Euch nicht zu früh: Ausnahmen stellen solcher Personen dar, die zum Staat oder juristischen Personen des öffentlichen Rechts in einem besonderen Verhältnis stehen. Das sind unter anderen Beamte, Richter, Soldaten sowie Schüler und auch Studenten.
Doch nicht nur im Deutschen gibt es Rechtschreibreformen, sondern ebenfalls zum Beispiel im Französischen. Anders als im Deutschen werden hier aber üblicherweise nicht die Rechtschreibregeln geändert, sondern Wortlisten erstellt. Doch auch die Franzosen ließen sich das nicht so einfach gefallen: 1990 protestierten sie gegen die neue Schreibweise eines einzigen Wortes, nämlich "Zwiebel": "ognon" sollte sie weiterhin heißen, nicht "oignon". Durchgesetzt hat sich dann doch die Wortliste...
Doch selbst wenn man gezwungen ist, eine bestimmte Rechtschreibung zu verwenden, hat man immer noch die Chance orthographisch kreativ zu werden: indem man nämlich einfach ein Wort erfindet. Wortschöpfungen wie Abwrackprämie oder Regenbogenfamilie werden ebenfalls immer zeitnah in den Duden aufgenommen. 

Ein kleiner Rechtschreibtest für Euch: Was ist richtig?
1) Er isst ohne Mass Ochs vom Spieß.
2) Er isst ohne Maß Ochs vom Spieß.
3) Er ißt ohne Maß Ochs vom Spieß.

Auflösung: Antwort 2) ist richtig!
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